Ist das noch Kunst oder ist das schon Sozialarbeit?

Berlin, 2. September 2015. Leide wie ein Flüchtling! Ruft das Bochumer Schauspielhaus und stellt auf seinem Gelände ab heute einen LKW auf, in den das Publikum sich zusammenpferchen darf. Anlass ist der tragische Fund eines Lasters mit 71 Leichen Ende August in Österreich. Am Tag nach dem Unglück habe das Theater ein Anruf des Spediteurs Gerard Graf erreicht, der in seinem Fuhrpark einen LKW des gleichen Typs besitze, verkündet es in einer Pressemitteilung: "Gerard Graf war so schockiert und betroffen, dass er sich mit der Bitte an das Schauspielhaus Bochum wandte, eine Aktion in die Wege zu leiten, die nachvollziehbar macht, was Menschen bereit sind für ein Leben in Sicherheit in Kauf zu nehmen."

Es geht hier um ein Thema, das momentan nur auf der Ebene der medialen Inszenierung debattiert wird; im wirklichen Leben stehen praktische Hilfsbereitschaft und praktischer Fremdenhass einander unversöhnlich gegenüber. Ist es in dieser gesellschaftlichen Situation weiterführend, das Thema derart emotionalisierend anzupacken? Er wolle die Aktion ausdrücklich nicht als Inszenierung oder Kunst verstanden wissen, sagt der leitende Dramaturg des Bochumer Schauspielhauses Olaf Kröck dem Spiegel: Sie sei humanitär motiviert.

Das passt zu dem, was Trendsetter Matthias Lilienthal im Mai im Rahmen eines Podiumsgesprächs bei der Konferenz "Theater und Netz" zum Thema "Artivismus" in die Runde flapste: "Gute Sozialarbeit ist mir lieber als schlechte Kunst."

Hellerau 560 Stephan Floss uDas Festspielhaus in Hellerau – Kunstspielstätte und neuerdings auch Flüchtlingsunterkunft
© Stephan Floss

Vielerorts ist das Theater gerade bereit, seinen Kunst-Nimbus abzulegen, um sich im Real-Getümmel zu bewähren, notfalls mit boulevardesker Gewalt. Aber auch unaufgeregt, so wie in der Dresdner Gartenstadt Hellerau, die mit ihrem Festspielhaus ein traditioneller Ort der Avantgarde ist.

Das bekommt in Pegida-Dresden eine neue Bedeutung, wo es avantgardistisch ist, sich als Ort der Willkommenskultur zu präsentieren, wie es der Festspielhaus-Hellerau-Intendant Dieter Jaenicke tut. Er hat die Räume seines Theaters teilweise zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Eine syrische Familie lebt bereits in Hellerau, weitere Geflüchtete sollen aufgenommen werden, wenn es nach Jaenicke geht. Dem Berliner Tagesspiegel sagte er, er wolle ein "positives Modell" schaffen, und: "Wir haben von Anfang an die Position vertreten: Wir wollen das Thema nicht nur intellektuell und künstlerisch verarbeiten, sondern selber konkrete Angebote machen."

Im Interview mit dem Berliner Tagesspiegel sagt die Intendantin des Maxim Gorki-Theaters Shermin Langhoff: "Was wir als Theater ganz praktisch leisten können und leisten, ist Visa-Anträge zu stellen, Arbeitserlaubnisse einzuholen, eben Hürden nicht zu scheuen als Institution. Wir können Flüchtlingsfamilien in Stücke einladen, mit Einführungsworkshops. Wir können den Refugee Impulse Club und andere Eigeninitiativen unterstützen."

BE PM 0109 Screenshot 280Doch auch abseits solcher eher aktivistischen Ansätze fühlen die Theater sich offenbar bemüßigt, sich des breit diskutierten Themas anzunehmen; jeder nach seiner Façon. Claus Peymanns Berliner Ensemble überschreibt seine Pressemitteilung von heute vormittag in gewohnt großkotzigem Duktus: "Das BE hilft Flüchtlingen“ und kündigt ein Freikartenkontingent für Flüchtlinge, eine Benefiz-Vorstellung und eine Auktion an, macht außerdem darauf aufmerksam, dass auf dem Theater eine Flagge mit der Aufschrift "Wo Häuser brennen, brennen auch Menschen" gehisst worden sei.

Das Theater im sachsen-anhaltischen Eisleben kündigt im Rahmen einer "interkulturellen Woche" eine szenische Lesung von Elfriede Jelineks "Die Schutzbefohlenen" an. An sich ein alter Hut, wird das Stück doch seit seiner Uraufführung rauf- und runterinszeniert. Aber in Eisleben, dieser einstigen, mittlerweile arg geschrumpften Industriestadt, wo viel typisches Pegida-Klientel zu Hause ist und wo das kleine, immer mal wieder bedrohte Theater sein Programm wacker mit Kleists "Zerbrochenem Krug" und Frayns "Der nackte Wahnsinn" aufrechterhält, ist es schon eine Besonderheit.

"Die Aktualität des Stücks steht außer Frage, wie die Polarisierung unserer Gesellschaft in 'Willkommen-Heißende' und 'Brandsatz-Schmeißende' traurig beweist“" heißt es in der Pressemitteilung des Theaters Eisleben. Der Eintritt zu der Lesung ist frei. Man will das Publikum, unbedingt. Und, das ist die wichtige Gemeinsamkeit all dieser vier Aktionen, die nur wenige von vielen sind: Sie wollen von den Zuschauern nicht wissen: Wie war's? Sondern: Was meint ihr, wie könnte es weitergehen?

Das bedeutet eine Mitverantwortung des Publikums. Und nur, wenn auch wir uns – nicht nur physisch ins Theater, sondern auch gedanklich – auf den Weg machen, ist es möglich, dass sich das Engagement der Theater nicht als Trendstrebertum entpuppt, sondern als Stabilisator, als Wiederermöglicher von Debatten, bestenfalls unter Beteiligung vieler "neuer Deutscher".

(Sophie Diesselhorst)

Mehr zum Thema Theater und Refugees welcome:

- In seiner Kolumne "Experte des Monats" kommentierte Dirk Pilz am 25. August die deutsche Flüchtlingspolitik

-Im Mai 2015 machte Sophie Diesselhorst sich grundsätzliche Gedanken über Das Theater mit den Flüchtlingen

-Im Januar 2015 interviewten Christian Rakow und Sophie Diesselhorst die Dresdner Intendanten Wilfried Schulz und Dieter Jaenicke zu der Frage: Was kann Theater in der Hauptstadt der Pegida ausrichten?

 

Kommentare  

#1 2015-09-02 17:08
Theater + Flüchtlinge: Tipp zur Besprechungguillermo
Warum besprechen Sie nicht auch "THISISITGIRL" (Premiere am 16.9. in der Schaubühne - siehe: schaubuehne.de/.../...). Die Thematik erscheint gerade vor dem Hintergrund "Sozialarbeit" interessant - wenn auch unter etwas anderem Aspekt
.
#2 2015-09-02 17:55
Theater + Flüchtlinge: schwarze PädagogikUlrich Heinse
Das Erschrecken des Spediteurs, dass sein Alltagsgegenstand zugleich mit einer ganz anderen Funktion belastet ist / werden kann ist ganz großartig. Da nun Leute für 15 Minuten hineinzustecken... Herrje, das ist glaube Schwarze Pädagogik und man möchte irgendwie nicht Zielgruppe eines Theaters sein, welches sein Publikum derart verachtet.
#3 2015-09-02 23:40
Theater + Flüchtlinge: präpotente DummschwätzereiTatjana
Zitat: "Leide wie ein Flüchtling! Ruft das Bochumer Schauspielhaus und stellt auf seinem Gelände ab heute einen LKW auf, in den das Publikum sich zusammenpferchen darf."

Eigentlich müßten - der Authentizität wegen - die im Bochumer Lastwagen das originale Flüchtlingsfeeling erprobenden gruselgeilen Zuschauer am Ende allmählich tatsächlich erstickt werden. Nur dann wäre das Authentische dieser Lebenserfahrung wirklich real erfahrbar. (...) Leider kämen die Zuschauer dann um die Currywurst mit Bier in Pappbechern, die vermutlich neben diesem Event-Theater angeboten werden.

Gibt es eigentlich irgendeine Perversion, die von diesen (...) "Theatermacher"-Hirnen als indiskutabel abgelehnt werden könnte? Vermutlich nicht - diese "Künstler" schrecken ja nicht mal mehr vor der Leichenfledderei von tatsächlichen Toten zurück. Die unsäglich aufgeblasene, pseudointellektuelle und präpotente Dummschwätzerei, die sich moralisierend um solche "kritischen""Events" bei der nachtkritik rankt, ist mit dem Ausdruck "spätrömische Dekadenz" nicht einmal annähernd beschrieben.

„Wohin nur wend ich meinen Schritt,
Dem Ekel zu entfliehen?“
Goethe, Tasso
#4 2015-09-03 21:34
Theater + Flüchtlinge: was anderesInga
@ Tatjana: Wo genau liegt denn jetzt Ihr Problem? Theatermacher oder Künstler schlecht zu machen, ist das Ihre persönliche Leidenschaft? Wohl von der AfD, oder? Leichenfledderei ist wirklich noch etwas ganz anderes als das, was das ZfpS veranstaltet hat. Darauf zielen Sie doch ab, oder?
#5 2015-09-03 23:01
Theater + Flüchtlinge: andere Rechnung -
Die Flüchtlinge bekommen zunächst alle Hartz IV. Wohnung und Lebensunterhalt machen 9.000 EUR im Jahr. Krankenversicherung nochmals 2.400 EUR im Jahr plus Deutschkurs 5.000 EUR und für Berufseinteiger 2.500 EUR - rund 20.000 EUR pro Flüchtling im ersten Jahr. Frau Nahles geht von 500.000 Flüchtlingen im Jahr 2015/16 aus. Das sind nach meiner Kostenschätzung 10 Milliarden EUR und nicht 3 Milliarden EUR. Oder der Rest sind Taxifahrer.
#6 2015-09-03 23:09
Theater + Flüchtlinge: künstlerische RahmungUli
Das die persönliche Betroffenheit eines Spediteurs dazu führt, dass das Schauspielhaus bei einer solchen Aktion mitmacht, ist für mich nicht nachvollziehbar. Vor allem die Aktion von Seiten des Chefdramaturgen als eine nicht künstlerische auszuweisen finde ich feige. Der LKW erfährt eine Rahmung durch den Theatervorplatz und es wird eine Handlungsanweisung bereitgestellt und ausserdem steht ein potentielles Publikum bereit...wie kann man da nicht von einer künstlerischen oder inszenatorischen Aktion sprechen! Es ist eine symbolische Handlung. Von was für einem Theaterbegriff geht das Theater Bochum denn aus? Guckkasten und Basta?
Dazu fällt mir noch ein Format ein, dass sich bereits mit größerem Aufwand an Ähnliches gewagt hat und das nicht minder blauäugig: zdf.de/.../...
Die Idee des Nachvollziehbar-Machens der Situation dieser Personen, die bei der Flucht gestorben sind, finde ich schrecklich. Bereits bestehende Betroffenheit führt dadurch zu einer potentierten Betroffenheit von uns Menschen, die wir priviliegiert sind und dies nicht aushalten können! Wie kann man nur glauben, sich durch soetwas in irgendeiner Form solidarisch zu verhalten?
Ich habe in der Hinsicht nur Unverständnis für den Spediteur und das Schauspiel Bochum übrig.

Zu wünschen wäre, dass es mehr Aktionen vom Schauspielhaus gäbe wie beim Spielzeiteröffnungsfest, bei dem Institutionen und Organisationen, die Flüchtlingen in Bochum bereits helfen, sich vorstellen konnten.
#7 2015-09-03 23:29
Theater + Flüchtlinge: Richtigstellung von Olaf KröckOlaf Kröck
Es ist mir ein Anliegen richtig zu stellen, dass der vermeintliche Aufruf "Leide wie ein Flüchtling" eine Pointierung der Autorin ist. Der Wortlaut unserer Einladung war hingegen "Das Schauspielhaus Bochum lädt ein vorbeizukommen, um sich selbst ein Bild von den Bedingungen zu machen: 71 Menschen und ein LKW. Außerdem wird es die Möglichkeit geben, den LKW zu betreten und für einen kurzen Moment zu erleben, wie es sich anfühlt, wenn sich die Türen schließen."
Bilder und Videos unserer kurzen Aktion finden sie über jede Suchmaschine.
Olaf Kröck, Geschäftsführender Dramaturg am Schauspielhaus Bochum
#8 2015-09-04 11:57
Theater + Flüchtlinge: so geht es nichtInga
@ Uli: Dem stimme ich voll zu. Es ist absurd, denn in keinem Fall wird mein Leben oder das eines Flüchtenden/Geflüchteten verändert, wenn ich mich jetzt an seiner statt in einen LKW sperren lasse. Das kommt, wenn es nicht so traurig wäre, beinahe den Aktionen militanter Tierschützer nahe. Die lassen sich doch auch symbolisch in Plastikfolie einwickeln, wenn sie gegen industrielle Massentierhaltung protestieren. Demnächst lassen sie sich wie die Schweine (also Tiere) in LKWs sperren, wo sie das verdursten der Tiere "üben" wollen. Nein, so geht's einfach nicht.
#9 2015-09-04 14:57
Theater + Flüchtlinge: Sinnvolle Kampagneberliner
Sinnvolle Kampagne: my right is your right!

myrightisyourright.de/de/home

Auch etliche Berliner Theater (Ballhaus, Gorki, Grips, Schaubühne, Parkaue sind engagiert.

Sehr unterstützenswert!!!
#10 2015-09-04 17:51
Theater + Flüchtlinge: beleidigende Äußerung Lil-ja
Liebe Inga, wie kommen Sie dazu, sich so beleidigend gegenüber 'Tatjana' zu äußern? Ihr 'Schlecht-Machen' von Künstlern vorzuwerfen und eine event. Mitgliedschaft bei der AFD zu vermuten?
Wie undifferenziert und kurzsichtig. Ist man gar nicht gewöhnt von Ihnen. Da muss Sie ja was richtig getroffen haben. Aber so unrecht hat T. doch gar nicht.
Tatsächlich hatte ich nach dem Lesen des 1. Teils von T.'s Posting gedacht, jetzt hat 'Inga' sich also mal wieder einen neuen Namen zugelegt, wurde ja auch Zeit - solange wie Sie sich hier schon tummeln. Aber nein - oder?
#11 2015-09-04 19:52
Theater + Flüchtlinge: klang nach Intellektuellen-BashingInga
@ Lil-ja: Nun ja, die ersten Argumente von Tatjana kann ich durchaus noch unterschreiben. Aber dann dieser abwertende Begriff der "Theatermacher"-Hirne, das kann ich nicht nachvollziehen. Es klang mir zu sehr nach pauschalisierendem Theatermacher- bzw. Künstler- bzw. Intellektuellen-Bashing. Und genau das tut z.B. auch die AfD, siehe Hamburg. Wenn ich Tatjana damit etwas unterstellt habe, dann tut es mir Leid.
#12 2015-09-05 10:41
Theater + Flüchtlinge: Hilfe statt Aufmerksamkeitwolfgangk
Es gibt nix Gutes, außer man tut es. Wer helfen will der kann: Geld spenden, oder sich engagieren. Die Lage der Flüchtlinge ist aktuell so präsent, es bedarf keiner weiteren Aufmerksamkeit, es bedarf auch keines Politiker Bashings, es bedarf Hilfe.
Und es bedarf einer weltweiten Bewegung den Priestern, Imanen, Mullahs es zu verwehren, aus Menschen Zombies zu machen. Diesen Verkündern des Glaubens muss es unterbunden werden, Ihren jeweiligen Gott als den Einzigen zu verkünden und seinen "Willen" mordend und jede Zivilastion negierend durchzusetzen und dabei den Mördern und Zombies, die sie erschaffen, Absolution zu geben. Wir stehen mit der Schneeschaufel in der Hand einer auf uns zurasenden Lawine entgegen. Wir schauen zu, wie Kriege gegen die Menschlichkeit geführt werden, Länder verwüstet und Heimat zerstört wird, wie Familien und Menschen millionenfach gefoltert und ermordet werden. Daneben halte ich die Frage darüber wie wir Schlepper behindern können oder Flüchtlinge unterbringen können nur für Fragen an der Symptomatik.
#13 2015-09-05 13:10
Theater + Flüchtlinge: Hinterzimmer-ExekutiveInga
@ wolfgangk: Was meinen Sie mit "Politiker Bashing"? Meines Erachtens geht es vor allem um das Problem einer Demokratie, in welcher die parlamentarische Macht verloren gegangen ist. Weil die Parlamente nur noch abnicken sollen, was durch die Hinterzimmer-Exekutive mitsamt ihren Lobbies entschieden wird.
#14 2015-09-05 18:33
Theater + Flüchtlinge: kein Bezugwolfgangk
@ Inga: Sorry ich kann aus Ihrer Frage keinerlei Bezug zu dem, was ich geschrieben habe, ableiten.
#15 2015-09-06 14:31
Theater + Flüchtlinge: falsche ZusammenhängeInga
Sie schrieben "es bedarf auch keines Politiker Bashings". Diesen Satz von Ihnen habe ich schlicht nicht verstanden, weil ich ihn nicht in das Thema "Theater + Flüchtlinge" einordnen konnte. Geht es Ihnen jetzt um Geflüchtete oder um Politiker, die nicht gebasht werden sollen, weil sie sich jetzt plötzlich doch z.B. um Unterkünfte kümmern (siehe die SPD in Berlin)?

Auch verstehe ich nicht, wie Sie jetzt vom Thema Geflüchtete auf das Thema des IS kommen. Das sind in meinen Augen zwei völlig verschiedene Themengebiete, einerseits die Fundamentalisierung von Religionen (JEDER Religion übrigens). Und andererseits die Flucht von Menschen, häufig vor Kriegen, welche, oftmals vom Westen mit Rüstung unterstützt, weltweit geführt werden.

In diesem Zusammenhang verstehe ich auch die Rechnung von #5 nicht ganz. Die eigentliche Thematik wird verschoben, denn was sind z.B. 10 Milliarden für Menschenleben gegen 10 und mehr Milliarden für Rüstungsgeschäfte?
#16 2015-09-06 16:03
Theater + Flüchtlinge: LuftmilliardenA. Cotard
Werte Inga,
Ich teile Ihre Auffassung zu #5, und selbst wenn es 1 Mio Einwanderer werden, das Land kann es nicht nur verkraften, sondern wird noch positive wirtschaftliche und demografische Effekte zeitigen, worum es jetzt erst einmal gar nicht geht.
Und unser Verteidigungsetat beträgt 32 Mrd Euro, also mit ebenso viel Luft, wie die Etats für Agrarsubventionen und die Förderung völlig widersinniger Windparks.
#17 2015-09-06 17:03
Theater + Flüchtlinge: ein MenschenrechtInga
@ A. Cotard: Windparks? Wollen Sie zurück zur Braunkohle? Sicher nicht. Es geht wohl eher darum, dass, solange die Atomkraft der Hauptversorger bleibt, nichts auszurichten ist gegen das ebenso kapitalistische Geschäft mit dem "grünen Strom".

Wenn man nur in einer Kosten-Nutzen-Rechnung denkt, dann dürften nach manchem wohl auch nur gut verdiendende Akademiker bzw. Steuerzahler einwandern. Ich dachte aber mal, dass Asyl ein Menschenrecht sei. Warum also soll der Bund da nicht ein paar Milliarden an die Kommunen abgeben?
#18 2015-09-06 21:17
Theater + Flüchtlinge: Wahlkunstfach TheaterA. Cotard
@ Inga: Asyl ist ein Menschenrecht. Daran gibt es keinen Zweifel.
Schauen wir, wie sich unsere Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren wandelt, was ihr zu wünschen ist. Und natürlich werden auch die Akademiker kommen. Es sind doch alle vom Krieg betroffen.

Und, ich habe nichts gegen grünen Strom, so lange er nicht so hoch subventioniert wird. Denn die Subventionen kommen nicht bei den Verbrauchern an, sondern bei den Produzenten. Aber das gehört nur ganz entfernt hierher. Immerhin würden neu verteilte Staatsetats dazu führen, dass mehr Geld für Bildung zur Verfügung stünde. Wenn also in jeder Schule ein hauptamtlicher Theaterlehrer mit Theater als Wahlkunstfach im Angebot tätig wäre, von den Ländern finanziert, vom Bund gefördert, müssten wir uns auch keine Sorge mehr um die Zukunft der Theater machen, vermute ich.
#19 2015-09-07 09:03
Theater + Flüchtlinge: über Entrüstungwolfgangk
@Inga. In meiner einfachen Wahrnehmung gibt es vier Haupt-Gründe für Flüchtlinge, die zu uns wollen. Erstens Kriege. Zweitens Kriege. Drittens die Bevölkerungsexplosion in Afrika. Viertens wirtschaftliche Ungleichgewichte. Politisches Asyl ist heute völlig untergeordnet. Der IS führt Kriege, nicht alleine aber besonders schlimme. Insofern trägt er sehr zu erstens und zweitens bei.
In unserer Gesellschaft ist es zur Mode geworden sich zu entrüsten. Diese Entrüstung hat zum Zweck andere zu veranlassen, dass der Grund für die eigene Entrüstung doch bitte verschwindet.
Inga, sie beklagen sich darüber, dass der politische Wille nicht mehr im Parlament, sondern zB in den Ausschüssen formuliert und in Kraft gesetzt wird. Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie. Die von Parteien getragen wird. Sind sie in einer Partei? Bemühen sie sich um Anerkennung Ihrer politischen Ansichten? Oder entrüsten sie sich?
Den Flüchtlingen hier muß man helfen. Punkt. Herr wird man der Situation aber nur, wenn die Kriege aufhören. Und da setzt mein vorheriger Kommentar an.
#20 2015-09-07 22:23
Theater + Flüchtlinge: die SituationInga
@ A. Cotard: Ich habe doch gar nicht gesagt, dass keine Akademiker kommen. Sondern, dass von einigen Parteien nur ebendie gewünscht sind, wenn von politischer Steuerung der Einwanderung gesprochen wird.

@ wolfgangk: Ja, von Parteien getragen. Aber wenn diese bzw. die Parlamente von Lobbyisten des Kapitals bestürmt werden, wen vertreten diese Parteien denn dann noch? Und kann man da dann noch von gesellschaftlicher Beteiligung sprechen?
Sie schreiben davon, dass die Kriege aufhören müssen. Ja, aber da geht es doch nicht nur um den IS, oder? So verzerren Sie meines Erachtens die Situation. Ausserdem, woher kommen denn die wirtschaftlichen Ungleichgewichte? Werden nicht genau deswegen Kriege geführt? Und wie kommen Sie darauf, dass der Grund für die Flucht eines Afrikaners (auch auf diesem Kontinent gibt es übrigens Länder) die Bevölkerungsexplosion sei? Das meinen Sie jetzt doch nicht ernst. Es geht doch auch in Afrika vor allem um die fortgesetzte Ausbeutung durch den globalen Kapitalismus, Stichwort: Landgrabbing usw.
#21 2015-09-08 11:28
Blog Empathie-Schulung: geordnet nach EuropaStritter
Kann man das nicht vorerst alles zurückstellen? Der Fakt ist: die kommen und sind da. Und wir müssen etwas für deren geordneten Einzug nach Europa tun, ohne innenpolitisch die berechtigten Forderungen der bisherigen sozial benachteiligten bundesdeutschen Bürgerschaft noch begründeter als bisher zu ignorieren. Und wir müssen ihnen klarmachen: Aus welchen politischen Gründen immer: Sie wollen nach Europa und Europa ist groß und nicht gleich Deutschland. Wir unterstützen Sie gern, aber im besonderen Maße, wenn Sie sich mit Ihrer in der Heimat erlernten Profession hier unternehmerisch verselbständigen wollen (empfehle als Anregung für europäische heutige Handlungsentwürfe das Potsdmaer Edikt aus dem 17. Jhdt. zu studieren).
#22 2015-09-17 12:54
Theater + Flüchtlinge: Hannover beispielhaftFatih
In diesem Zusammenhang scheint mir die letzte Spielzeiteröffnung des jungen Schauspiel Hannover prophetisch. Dort lebten die Ferien über an die 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Es wurde gekocht, gearbeitet und schließlich aufgeführt. Und vor allem miteinander geredet. Das war eine mutige Aktion und setzte sich aktiv mit Ängsten auseinander. Das war Begegnung. Die Jugendlichen treffen sich noch immer regelmäßig im Theater und die Sozialarbeiter in Hannover kamen ins Theater, weil sie dort alle treffen konnten, die sonst im Verborgenen bleiben. Die aktualitätsgetriebenen, meist auf Intensität setzenden, das Mitleid feiernden kurzfristigen Aktionen sind eher zynisch im Kontext der Subventionen.

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