"Wenn es gutgeht, dann ist der Weg für andere gebahnt"

25. Juli 2020. Nächsten Samstag eröffnen die Salzburger Festspiele. Chefin Helga Rabl-Stadler sieht das riskante Ereignis als Vorreiter für die gesamte Kulturbranche in Corona-Zeiten. Für Tests wurden 300.000 Euro budgetiert. Die FAZ schreibt über die Planungen und das Sicherheitskonzept.

Rabl-Stadler wage, was sich vor ihr kein Kulturmanager zutraute: "Sie lässt die Schauspieler und Sänger wieder auftreten, vor einem vergleichsweise großen Publikum (,,,). Sie bricht den Bann, wonach in Corona-Zeiten die darstellende Kunst pausieren muss", schreibt Ralph Bollmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Geht es in Salzburg gut, haben Theater und Konzertsäle auch andernorts die Aussicht, bald wieder ein größeres Publikum zu empfangen und, vor allem, auch Einnahmen zu erzielen." Die Präsidentin selber glaube, dass es gutgeht, sonst hätte sie es nicht gemacht: "Ich sehe uns als Hoffnungsträger, nicht als Risikoträger".

Ermöglicht worden sei die Öffnung "durch eiserne Nerven und die Fähigkeit zum Durchhalten", durch ein strenges Sicherheitskonzept, durch abwarten bis Ende Mai als sich die Vorgaben der Kulturpolitik tatsächlich wieder drehten: Ab 1. August dürfen in Österreich wieder Veranstaltungen mit bis zu tausend Besuchern stattfinden, generell und überall, "eine Ausnahme speziell für die Salzburger Festspiele hatte Rabl-Stadler immer abgelehnt.“

Angesichts des abgespeckten Programms musste die Präsidentin neu rechnen und sagt: "Wir glauben, dass wir künstlerisch Sinnvolles und wirtschaftlich gerade noch Vertretbares machen können." Von den den ursprünglich geplanten 200 Vorstellungen finden 110 statt. Die Zahl der angebotenen Karten verringert sich von 240.000 auf 80.000, "in Corona-Zeiten immer noch eine stolze Zahl ist – und für die Finanzen trotzdem ein Desaster: Aus dem Kartenverkauf werden die Festspiele statt der erwarteten 30 Millionen Euro dieses Jahr voraussichtlich nur 7,5 Millionen Euro einnehmen."

Aus dem Budget werden 300.000 Euro für die Corona-Sicherheit verwendet, das meiste davon für umfangreiche Tests. Das Orchester darf in gewohnter Stärke spielen. "Die Musiker müssen sich jedoch regelmäßig testen lassen und außerdem über ihre – möglichst sparsamen – Sozialkontakte penibel Buch führen. Je enger ein Mitarbeiter mit dem Bühnengeschehen in Kontakt kommt und je schlechter er die Abstandsregeln einhalten kann, desto strikter wird er überwacht – abzulesen an Halsbändern in den Farben Rot, Orange oder Gelb, die alle Mitwirkenden tragen müssen."

Was den Festivalbetrieb betrifft, wähne sich Rabl-Stadler einigermaßen sicher. "Die Gefahren sieht sie draußen. 'Ich mache mir große Sorgen, wie es in der Gastronomie zugeht, auch in Salzburg', sagt sie. 'Dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen.' Auch ganz persönlich ist ihr das Treiben unheimlich." Das Risiko sehe sie aber als Bestätigung für ihr Sicherheitskonzept. "Wir tragen eine große Verantwortung. Wenn es bei uns gutgeht, dann ist der Weg für andere gebahnt."

(sik)

 

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