Fette Braten! Keine Bonbons!

von Matthias Weigel

Berlin, 6. Januar 2011. Ich will im Theater nicht zur Zitat-Hatz genötigt werden. Vielleicht hätte sich hier und da noch was erschlossen, wenn ich dies oder das noch erkannt hätte. Aber es ist mir egal. Referenzüberschuss darf nicht unangreifbar machen. Ich will auch nicht dabei zusehen, wie sich die Postmoderne selbst abfeiert. Trash allein ist nun mal Müll und nicht der erlösende Ausweg aus der Theater-Behauptung. Wenn sich ein Mensch auf der Bühne mit Haut und Haaren selbst entäußert, kann es sinnlich, fantastisch, intellektuell, körperlich oder emotional überfordernd sein. Wer es wagt, etwas von sich zu geben, kann möglicherweise gewinnen.

Wenn aber andcompany&Co. in "Pandämonium Germanicum: Lenz im Loop" selbstgefällig ein paar Zitatklumpen aufsagen und den Hipster geben, habe ich das unangenehme Gefühl, uneingeladen auf der falschen Privatparty gelandet zu sein. Wer nichts von sich gibt, hat schon verloren.

Auch Selbstironie kann nicht unangreifbar machen. Die Performer bezeichnen sich gegenseitig als Nachahmer von Meese oder Schlingensief, vor meinem inneren Auge klopfen sie sich kotzbrockig auf die Schulter über den Meta-Meta-Witz. Es ist die andauernde präventive Vorwegnahme möglicher soziologischer Einwände, die zwanghafte Suche, welcher postmodernistischen Kritik man im Vorübergehen noch den Wind aus den Segeln nehmen könnte. Wer so darauf bedacht ist, theoretisch nichts falsch zu machen, macht halt praktisch nichts richtig.

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Pandämonium Germanicum: Dämonen, Geister, Zitate © Doro Tuch

"Pandämonium Germanicum" ist eine traurige theoretische Konsequenz: Korrekterweise kann man schon lange nicht mehr ernsthaft behaupten, es stehe jemand anderes auf der Bühne als man selbst. Man kann aber auch keine neuartigen Aktionen mehr vollbringen, da alles schon dagewesen ist; darüber hinaus stecken wir auch noch fest in dem ganzen Schlamassel, gefangen im eigenen Verstand. Und selbst diese Erkenntnis haben schon Leute wie Pollesch erfolgreich auf die Bühne gebracht!

Bleibt nur die Flucht nach vorne: Man kann ja immerhin noch Pollesch-Zitat werden! Oder das Zitat, wie andcompany&Co. Pollesch zitieren, oder...

So plumpsen diese Kopftotgeburten (u.a. aus Mixen von Lenz und Bernward Vesper, von Georg Büchner und Jochen Distelmeyer) mit ihren Diskurs-Airbags auf die Bühne und haben es nicht mal nötig, sich zu Situationen oder Szenen zu entwickeln, sondern werden einfach runterchoreographiert.

Anstelle eines fetten Bratens wird mir gnädig eine Insider-Andeutung nach der anderen zugesteckt, wie Bonbons, bei übermäßigem Verzehr abführend. Unter der arroganten Gewissheit, eine absolut wasserdichte Diskurs-Folie produziert zu haben, ist das Theater längst im Schlick erstickt. Da erscheint es mir auf einmal so erstrebenswert, sich angreifbar zu machen.


Pandämonium Germanicum: Lenz im Loop
mit Texten von: J.M.R. Lenz, J.W. Goethe, G. Büchner, B. Vesper, W. Shakespeare, J. Distelmeyer, J. Kerouac, J. Milton, A. Karschnia&Co.
Bühne (Design): Hila Peled, Noah Fischer&Co, Bühne (Realisation): Christine Bentele&Co, Kostüme: Frau Blau&Co.
Von und mit: Alexander Karschnia, Angelika Sautter, Karolina Bäter, Nicola Nord, Nikolai Plath, Reinier van Houdt, Sascha Sulimma & Co.

www.hebbel-am-ufer.de

 

Mehr zur andcompany&Co. gibt es im nachtkritik-Archiv.

 

Kritikenrundschau

Als "müdes Desaster" emfindet Hartmut Krug im Deutschlandfunk (7.1.2011) diese Arbeit. Das Thema "wie funktioniert Nachahmung auf der Bühne, funktioniert sie überhaupt?" sei popkulturell und postdramatisch längst erschöpfend behandelt worden ist. Neues hätten andcompany&Co dazu auch nicht beizutragen, sondern "nur enorm viel Material für dieses abgegraste Theoriefeld", selbstgenügsame wie abgeschottete Zitiererei samt dazugehörige "Kurzauftritte, Masken oder Zitate unter anderem von Kleist und Klopstock, Herder und Wieland, Lessing und Kafka. Und da der heutige Kulturbetrieb ein modernes Pandämonium scheint, kommen auch Schlingensief und Harald Schmidt, Pollesch, Castorf und Peymann vor. " Doch das ganze überschlägt sich dem Eindruck des Kritikers zufolge auf der Bühne im Remixer der Verdoppelungen und Variationen bald "als selbstreferentieller Loop". Was diesen Demonstrationstheater-Abend für Krug dann vollends vor die Wand fahren lässt "ist seine künstlerische Form. Leider versucht die andcompany diesmal, auch Theater zu spielen. Doch wir erleben nur schlecht sprechende, nicht spielfähige Performer in einer schwerfälligen Bühnenmaschinerie und sehen die Theoretikergruppe andcompany&Co diesmal kräftig scheitern."

Nicht besonders ernst kann Dirk Pilz in der Berliner Zeitung (8.1.2011) diesen Abend nehmen, der seine Kritik als launiges Schreiben an StudentInnnen der Theaterwissenschaft formuliert. "Stöpseln Sie alle Zitate zu einem flotten Einstünder zusammen," empfiehlt er selbigen. "Der Effekt ist famos. Parallelen in der deutschen Geistesgeschichte ergeben sich von selbst. Vertrauen Sie auf die Kraft der Assoziation! Sie tut Wunderdinge. Und, besonders geeignet für die Zwecke der Partyunterhaltung unter Ihresgleichen: Sie bereiten Ihren Zuschauern damit großes Rätselvergnügen. Dieser Spaß hat alles, was ordentlich post-post-dramatisches Theater braucht: politische Würze, intellektuellen Pfiff und knuddelige Selbstironie."

 

 

Kommentare  

#1 2011-01-07 12:04
Pandämonium Germanicum, Berlin: wunderbare Eseley des schönen ScheinsStefan
Ich finde andcompany&Co ziehen hier kongenial Parallelen durch die deutsche Geschichte vom Sturm und Drang und der Weimarer Klassik über Nationalsozialismus, 68er Generation und RAF bis ins Heute. Nur gibt es sie eben nicht mehr diese Überväter und verhinderten Söhne. Jetzt sind alle nur noch Nachahmer und 15 min. Berühmtheiten? Jeder der sich auf eine Bühne stellt, ist gezwungen, das Rad ständig neu zu erfinden, das hat so ähnlich auch schon Rene Pollesch im schönen Tag festgestellt. Andcompany&Co parodieren das bis zu Meese-, Bleibtreu- oder Schlingesiefverweisen mit ALS-Quiz. Man muss das Rad nicht mehr neu erfinden, es ist alles schon mal dagewesen und wartet nur auf seine Reproduktion. Lenz`ens Albtraum des sich vom Vorbild befreienden Kunstwerks dient hier nur als Aufhänger für eine wunderbare Eseley des schönen Scheins. Gut geskizzen ist manchmal auch wie gemohlt. Übrigens macht das Ganze auch ohne das nötige Insiderwissen Spaß und man muss ja Bonbons nicht annehmen, wenn man schon zu viel Braten genossen hat.
#2 2011-01-07 14:32
Pandämonium Germanicum, Berlin: gleich nochmalLilo
großartig!!!! Hab selten so gelacht - und nicht nur über den Verunglückten Lenz im deutsch-nationalen Verband. Ich fand es wunderschön gemacht, mit diesen drei Ebenen der Bühne, und was sich hinten im Wald abspielte, hatte eine magische Wirkung! Und die Kostüme waren sehr sexy. Und ja: Auch Goethe war gut!!!

Ich würde es mir am liebsten gleich noch mal anschauen.
#3 2011-01-07 14:38
Pandämonium Germanicum, Berlin: eigene Sprache, besonderer StilLilo
habe gerade alle News zum Pandämonium gelesen....hmm, ja die Bonbons, ich bin da wie eine Wilde, die die süßen Dinger vorbei fliegen lässt, weil sie so unkultiviert ist und sie nicht als was Süßes erkennt....Ich gebe zu, die Anspielungen auf Meese, Schlingensief und Pollesch haben mich auch gestört.

Aber ich liebe den Wortwitz, den "Sturm - und Drang - Führer" zum Beispiel, oder die Betrachtung über die notwendige Unterscheidung zwischen Jux und Tollerei. Ich bin nicht sicher, ob das erkannt wurde. Mir tut es einfach gut, dass jemand "Jux" und "Tollerei" mal erklärt, denn man versteht ja den Karneval im Radio und in der Zeitung nicht mehr, beziehungsweise man wundert sich, dass jetzt das ganze Jahr lang Karneval sein soll. Auch das Marketing - Geschrei mit dem Höhepunkt "Handeln, handeln, handeln" fand ich dramaturgisch wunderbar entwickelt und das "Wir sind alle Künstler" - Gegröle. Im Grunde ist das natürlich alles traurig...Aber andcompany entwickelt eine große Leichtigkeit, mit den traurigen Dingen umzugehen. Das tut gut.
Der Kritiker hat Recht: Es ist heute so wahnsinnig schwer geworden, intelligentes Theater zu machen, ohne Nachahmer zu sein und dann schottet man sich von vornherein gegen diesen Vorwurf ab. Trotzdem: andcompany hat eine ganz eigene Sprache, einen besonderen Stil, man würde eine Inszenierung von ihnen auf den ersten Blick erkennen, oder auf den ersten Satz, na sagen wir, auf die ersten zwei Zitate...
#4 2011-01-07 14:49
Pandämonium Germanicum, Berlin: imaginäre Spielplätze CHRIS!
die kritik macht es sich leicht. sie schießt sich ein aufs vermeintlich offensichtliche. dabei zeigt andco so viel mehr. nur ein aspekt: die entstehung temporärer räume aus spielsituationen, in dieser aktuellen performance gesteigert durch die vielen türen und vorhänge. manchmal reicht sogar ein totentopf oder ein pentagramm, ein bild oder ein hügel – und auf der kleinen bühne entstehen große imaginäre spielplätze der diskurse, bis wer wieder den schalter umlegt, das licht ausknipst, das klavier erklingt und den raum wie eine seifenblase zerplatzen lässt. so gibt es das bei pollesch nicht. dessen zentrum war von anfang an das sprechen, das manische, das hysterische und die politik der körper. andco, das ist nicht einfach eine inhaltistische zitatenmaschine, das ist die politik der form in der leichtigkeit des spiels, kurzfristige schaukästen der bewegungsbilder, offen für große und kleine köpfe.
#5 2011-01-07 22:55
Pandämonium Germanicum, Berlin: nichts als Rezesentenlenzlein
LENZ: Ach ich nahm mir vor, hinabzugehn und ein Maler der menschlichen Gesellschaft zu werden: aber wer mag da malen, wenn lauter solche Fratzengesichter unten anzutreffen ? Glücklicher Aristophanes, glücklicher Plautus, der noch Leser und Zuschauer fand. Wir finden, weh uns, nichts als Rezensenten und könnten ebenso gut in die Tollhäuser gehen, um menschliche Natur zu malen.
#6 2011-01-07 23:17
Pandämonium Germanicum, Berlin: wenigstens lustigAristotelex
Soll das Nachahmung von Stadelmaier sein? Leider nicht, der ist wenigstens lustig. Dass man gerade in der Kunst der Nachahmung so viel Angst vor Nachahmung hat... Dass macht dieser Abend allerdings auf unnachahmliche Weise, dieses Nachahmen.
#7 2011-01-08 10:37
Pandämonium Germanicum, Berlin: Häupter aus dem ZitatenpoolAnna Log
Sehr cool, dieser Text! All die Dagegen-meckerer strecken ihre Häupter wahrscheinlich aus dem Zitatenpool der Andcompanisten. Schade eigentlich.
#8 2011-01-08 16:47
Pandämonium Germanicum, Berlin: die neoliberale Blüte wird konzise bepisstKatrin Heinau
In der Schublade "postmodernistisch" verstaut, wird noch alles Gesehene unsichtbar. Und "Trash ist Müll"? Ist der Abfall organisch, ergibt das immer noch Kompost... Der Abend geht sehr sinnvoll von der Lenz'schen Satire aus (ob man sie nun für gelungen hält oder nicht, sie ist eine tolle Spielvorlage), geht über den karikierten obwohl von Lenz ja auch geteilten Geniekult (Revolte und Bestenrevue in einem) weiter zum bürgerlichen Konstrukt des autonomen Künstlers mit dem Popanz Goethe. Deutschland = Goethe, Weimar als Standortfaktor - und das flexible Individuum, das in der pervertierten "Spiel"show beinahe tödlich verunglückt, wird im Interview der letzten Verwertung zugeführt. Die neoliberale Blüte wird konzise bepisst, die historisch bedingte Janusköpfigkeit von Emanzipation und Identität, Talent, Können, Genie, Revolte, Verkäuflichkeit des Einzelnen mit erhellendem Witz ausgestellt und die Spirale des Paradoxen immer weiter gedreht (übrigens, auch die Andcompany-Performer haben im Programmzettel immer noch Namen...), und dennoch wird die Abschaffung des Künstlers und die Einsetzung aller propagiert. Im Prop-agieren eben liegt die Überschreitung der Nachahmung und hier liegt das Risiko der Andcompany. Mangelnden Einsatz kann man ihnen wohl kaum vorwerfen, ebensowenig wie das Verschanzen hinter Theorie, und wer sich zugetextet fühlt, möge zumindest bedenken, dass Übertreibung ein probates ästhetisches Mittel ist. Ich habe verstanden: das Spiel selbst ist die Praxis, und wer daran nicht auf der Bühne als -Co teilnehmen kann, ist dennoch dazu aufgerufen. Durch das Engführen von Passagen aus verschiedenen Federn und Jahrhunderten will die Company uns auf das Zusammenschmelzen aller widerständigen Energien, auf das "Jetzt!" der möglichen Revolution vorbereitet, die da sein möge: ganz real.
#9 2011-01-08 17:07
Pandämonium Germanicum, Berlin: Nerv getroffen?begeisterte Zuschauerin
Habe selten solch entgleiste Kritiken gelesen, was ist denn da los? Da hat die andcompany wohl einen empfindlichen Nerv getroffen! Ich jedenfalls gehe morgen gleich nochmal rein und nehme Eltern, Großeltern und Freunde mit, wie von Herrn Pilz empfohlen!
#10 2011-01-09 04:35
Pandämonium Germanicum, Berlin: Was bewegt euch?Honesty
Eine Uhr mit Ohren? Hipster-Nippes. Zu cool für diese Welt. Liebe, Hass, Wut, Trauer, Schmerz? Offenbar Fehlanzeige. Alles schonmal dagewesen? Ja. Genau. Der Kontext/Rahmen verändert den Inhalt. Und um was ging's hier jetzt nochmal? Um die Nachahmung von Zitaten? Und weiter? Persönliche Stellungnahme/Lesart/Interpretation? Ich will wissen, was euch bewegt, ihr Kopffüßler! Wie wollt ihr leben?
#11 2011-01-09 23:13
Pandämonium Germanicum: an der Theaterwissenschaft liegt's nichtwenzelino
Einige Kritiker schlagen Alarm! Weshalb eigentlich? Den Herren Krug und Pilz missfällt: schlecht sprechende Performer auf der Bühne, ein Theoretischer Ansatz, eine Anhäufung von Zitaten! Das gab es ja noch nie! Welch Neuheit! Welch Affront! - Gott sei Dank machen alle deutschsprachigen Regisseurinnen und Regisseure unter 30 ein und das selbe Theater und man kann es auch sofort erkennen! Liebe Öffentlichkeit, im Theater zu zitieren, Witze zu machen oder "schlecht" zu sprechen ist als adäquates Bühnenmittel keine Erfindung der verkopften Theaterwissenschaft und das gab es auch schon vor andcompanie. Für mich ist keine genaue Linie zu erkennen, was Regiseurinnen und Regisseure unter 30 Jahren so fabrizieren (selbstredend befinden sich darunter auch Theaterwissenschaftler). Sympthomatische Zerfallserscheinungen der deutschen Kulturlandschaft kann man finden wenn man sucht, aber am Alter und an der Ausbildung der Regisseure liegt das sicherlich nicht! Krug und Pilz scheren unnötig alle momentan zu findenden Theaterästetiken des Postdramatischen über einen Kamm und die Diskussion darüber ist genauso alt wie die Diskussion über Zitat, Nachahmung und Originalität! Die Qualität von Theater am Alter oder an der Ausbildung der Schaffenden festzumachen ist die unangebrachte, altbackene und voreilige Art zu sagen "früher war alles besser!
#12 2011-01-10 11:25
Pandämonium Germanicum, Berlin: pseudo-avantgardistisches KunstgewerbeWaldemar
Ich verstehe gar nicht, warum man sich bei diesem Abend so dazu veranlasst fühlt die verbale Großkeule rauszuholen und alles abzuwatschen, was andere formale Wege geht. Es ist ganz einfach eine schlechte Inszenierung, die langweilig und haltungslos ist. Die Gruppe fand irgendwie keine Not irgendwas zu erzählen, sondern verhedderte sich in der großen Freude in ihre szenischen und textlichen Überlegungen noch eine Meta-Ebene von der Meta-Ebene von der Meta-Ebene einzubauen. Irgendwann weiß man als Zuschauer nicht mehr, um was es eigentlich geht und schaltet ab. Dazu kommt leider der Ärger, das man sich latent verarscht fühlt, weil die Inszenierung ziemlich altklug daher kommt. Mit jeder Überlegung in den hintersten Schwurbel-Ecken der Kulturgeschichte geht die Company um, als sei es das Selbstverständlichste und tritt immer mit dieser besserwisserischen, schulterzuckenden und auch so blöd ironischen Haltung auf a la "Ach, ihr habt euch noch nie ausführlich mit Bernward Vesper beschäftigt...?" Das Problem: Es bleibt überhaupt nichts hängen außer einem wabernden Diskurs-Brei, der kaum Tiefgang erreicht. Das ist wirklich sehr schade, weil man ja merkt, dass die sich alle eigentlich ganz gut mit der Theater und der Welt und so auskennen, aber irgendwie bleibt dann doch ein Eindruck von so pseudo-avantgardistischen Kunstgewerbe und wenig Mut. Da hoffe ich nur, dass da beim nächsten Versuch etwas mehr Haltung, Wucht und, ja, Mut zum Tragen kommt.
#13 2011-01-10 13:21
Pandämonium Germanicum, Berlin: Wo war Meese?Flohbär
Immerhin war die Inszenierung noch erträglich. Nach den Kritiken war ich auf das Schlimmste gefasst, aber letztlich war es auszuhalten. Vielleicht war es auch nur so, dass den Kritikern etwas vorenthalten wurde, z.B. führt, soweit ich informiert bin, das Café des Hau 2 keine Kürbissuppe, was sicherlich zur Stärkung des Gemüts von Herrn Pilz beigetragen hätte.
Das Schwergewicht der Inszenierung lag auf Lenz und Goethe, Bernward Vesper kam nur kurz am Ende, und das nur im Zusammenhang mit seinem Vater, der um Hitlers Tod trauerte.
Ich hatte Vespers „Reise“ vor etwa 20 Jahren gelesen – gerade der Vergleich zwischen APO-Sohn und Nazi-Vater wäre interessant gewesen. So wurde alles nur kurz angerissen und in einer Art von fröhlichem Dilettantismus heruntergespielt. Natürlich fragt man sich manchmal, welche Stelle nun welcher Person zuzuordnen sei. Wo war der angekündigte Meese? „Wir können alle Künstler sein“ – war es das? Immerhin, der rotgekleidete Akteur, der immer vom Handeln sprach, glich optisch ein wenig Schlingensief, als sei dieser nach einer Verjüngungskur wiederauferstanden. Büchners „Lenz“ höre ich immer wieder gern, auch auf der Bühne zitiert, leider wurde ein Teil des Textes vom Klavierspiel nahezu übertönt. Diese herrliche Passage zu Beginn der Erzählung! (...) Abgesehen davon: die Musik war insgesamt gar nicht so übel. Wenn sich die Schauspieler noch etwas professionalisieren, kann vielleicht in Zukunft etwas mehr dabei herauskommen.
#14 2011-01-10 14:40
Pandämonium Germanicum, Berlin: verkehrte Weltverwunderte Leserin
In den Kritiken der Kritik erfährt man mehr über das Stück, als in der Kritik selbst: verkehrte Welt! Aber "wem's egal ist"... Gehe heute oder morgen selber hin.
#15 2011-01-10 15:19
Pandämonium Germanicum, Berlin: Der Kritiker als Gourmetvegetarischer Theaterbesucher
Stimmt. Was sind das für finstere Zeiten, in denen der Kritiker wieder als Gourmet auftritt. Als hätte es Brechts Kritik am "Kulinarischen" im Theater nie gegeben! Das ist nicht nur doof, das ist reaktionär.
#16 2011-01-10 15:19
Pandämonium Germanicum, Berlin: low levelervan
Excuse my english, but as a visitor of Berlin I´m really surprised to see how low the level of professionalism of kritik seems to be: if you say ´ich versteh nichts....aber ist mir eigentlich auch egal´ then you disqualify yourself, obviously.
Anyway, although German is not even my native language I got a lot from this show. For me it is not just about theater but about how the situation of the individual these days comes to resemble more and more that of an artist. In a nightmarish way...
But what´s more important: all these quotes are not about their authors, but simply about whát they say and that it´s been said throughout history. I can´t figure out why the critics of this play felt they were sent on a wild goose chase.
I think people should see this. This andcompany has definitively something to say..
#17 2011-01-10 15:47
Pandämodium Germanicum, Berlin: pretty clearforeign theater maker
I came here to germany to know more about what`s going on in theater. I found the Andcompany and Co work really interesting. To me, that is foreign but know something about german literature and theater, the way they used critically the relation between the classicism and the sturm und drang to discuss today`s questions was pretty clear also. That is why I was shocked with the review I read, so full of hate and so empty of reasons. It reminded me the way the right wing in weimar republic used to talk about der rote fahne. So, I really can get it: what`s going with german reviews? Is there really a public sphere where rational debate is possible?
#18 2011-01-10 16:08
Pandämonium Germanicum, Berlin: HinweisKrystian Woznicki
Ich habe heute in der Berliner Gazette einen Text über das Theaterstück veröffentlicht, der auch die bisherige Arbeit des dahinter stehenden Kollektivs ein wenig berücksichtigt:

berlinergazette.de/.../
#19 2011-01-10 16:12
Pandämonium Germanicum, Berlin: blaustrümpfigAnna Log
@Vegetarier. Sie sollten den fetten Braten nicht allzu wörtlich nehmen. Der fette Braten, der könnte als Metapher auch für fetten Denkstoff stehen. Und der Herr Brecht, der arme, den Sie hier so unziemlich und unqualifiziert an den Haaren herbeiziehen, war auch ein großer Bratenliebhaber, je kross-dialektischer, umso besser. Ansonsonsten ist das blaustrümpfig-oberlehrerhafte Theater, für das Sie sich hier stark machen, Theater von gestern. Aus Zeiten nämlich, da man den Zuschauer für bemitleidenswert unmündig hielt und unbedingt als einen Zubelehrenden empfand. Das stammt aus dem Feudalismus, wo es neben Kadettenanstalten auch moralische Anstalten mit Bildungsanspruch gab. Gern haben das Konzept als Gehirnwaschanlagen dann spätere Künstlergenerationen in deutschen Diktaturen übernommen, die ja immer ideale und klimatische Kunstbedingungen schufen, die übrigens auch ihr Herr Brecht ganz inspirierend fand. Und nun darf man nicht mal unter dem Kryptoeklektizismus von andcompany leiden, ohne gleich Keulenschwinger und Klaqueuere auf den Plan zu rufen? Very arm, that.
#20 2011-01-10 17:13
Pandämonium Germanicum, Berlin: Hase-und-Igel-SpielStefan
Ich würde zwar nicht gleich die gesamte deutsche Theaterkritik nach rechts außen rücken, aber es ist schon bezeichnend, wenn das vereinzelt so im Ausland gesehen wird. Da gefällt mir schon eher, der Kritiker auf der Suche nach dem Sinn, von der andcompay in die Irre geschickt. Ein wahrer Albtraum. Aber man hängt wohl hier allgemein den Abend etwas zu hoch an. Kann man ihn nicht einfach als das nehmen, was er sein will, ein spaßiger Diskurs (vielleicht auch schon zu übertrieben) über die Unmöglichkeit auf der Bühne tatsächlich noch originell und authentisch zu sein, ob nun mit oder ohne der Verarbeitung von Vorbildern oder der totalen Abgrenzung von ihnen. Da ist wohl einigen die Selbstironie abhanden gekommen, wenn überhaupt vorhanden. Wahrlich, Theater als reines Hase und Igel Spiel.
Ja, Krystian Woznicki, so ähnlich würde ich das auch sehen. Lenz im Loop als ironisches Versuchsfeld eines kultischen Exorzismus. Und nicht jeder Teufel lässt sich ja so einfach austreiben, wenn man ihn erstmal verspeist hat. Fatzerbraz von andcompany&Co ist da ein gutes Beispiel, das es auch mal daneben gehen kann, mit der künstlerischen Einverleibung und anschließenden kreativen Wiederkäuung. In Pandämonium Germanicum ist ihnen das besser gelungen. Brecht ist eben ein härterer Brocken als Lenz.
#21 2011-01-10 18:30
Pandämonium Germanicum, Berlin: keine OberlehrerFlohbär
Man kann dem Stück ja einiges vorwerfen, aber oberlehrerhaft ist es bestimmt nicht. Hier wird ein Sammelsurium von Zitaten und Verweisen geliefert, aber belehrt wird niemand. Ein moralischer Anspruch ist nicht einmal im Ansatz zu erkennen. Dann hätte man auch Heiner Müllers „Germania“, damals inszeniert von Gotscheff, den gleichen Vorwurf machen müssen. Das war aber mehr ein Tour-de-force-Ritt durch die deutsche Geschichte ab Friedrich Wilhelm I.
Dann noch der Einwand mit der Gehirnwaschanlage... Absurd. Die Schauspieler sind wohl kaum angetreten, um Schmutz zu entfernen – welchen? -, und wer sich en passant waschen lässt, ist selbst schuld.
#22 2011-01-11 00:53
Pandämonium Germanicum, Berlin: Nummer 15Anna Log
Mon chèr Flohbär, Sie fallen hier ja immer mal wieder so wohlverpackt in Ihr Weltbild auf, daß wenig zu Ihnen durchdringt. Ich meinte nicht die Aufführung sondern die vegetarischen Brechtausführungen in Kommentar Nummer 15.
#23 2011-01-11 01:27
Pandämonium Germanicum: ein spaßiger DiskursFlohbär
Ma chère Anna Log, richtig, Sie sprachen mit dem Vegetarier. Dabei griff ich die Vokabel 'oberlehrerhaft" auf. Eigentlich meinte ich damit Waldemar von Nr.12. Der verwendete für die Aufführung die Adjektive 'altklug" und 'besserwisserisch'.
@Stefan:
Ja, ein spaßiger Diskurs war es - und man sollte ihn auch nicht allzu ernst nehmen. Aber was machen Sie, wenn es einmal ernst wird? Vielleicht lesen Sie dann ein Buch vom "Bürgerphilosophen" Richard David Precht?
#24 2011-01-11 11:23
Pandämonicum Germanicum: Warten auf Polleschs EgoStefan
@ Flohbär
Nein, mit Sicherheit nicht, das hat ja schon Dirk Pilz gelesen und uns die Zusammenfassung in der Berliner Zeitung gegeben. Ich bleibe trotzdem Egoist, oder vielleicht schmeiß ich mein Ego ja auch weg, ganz wie Rene Pollesch. Das wird sicher auch wieder ein spaßiger Diskurs.
#25 2011-01-11 12:53
Pandämonium Germanicum: Pollesch unspaßigMone
@Stefan
Bitte, bitte schmeißen Sie Ihr Ego nicht weg. Hätten Sie am Sonntag die Heiner Müller Veranstaltung an der Volksbühne gesehen, dann würden Sie hier nicht so schnell den Pollesch geben wollen. Da war nichts spaßig, das war einfach nur traurig.
#26 2011-01-12 05:33
Pandämonium Germanicum: woher das Ressentiment?vegetarischer Theaterbesucher
Soll hier Brecht als Kritiker der Kritiker ausgetrieben werden? Woher das Ressentiment? Ich mag einfach lieber Kriterien als Speisepläne. Geschmäcklerische Subjektivität: my ass. Wirkt einfach abführend auf mich.
#27 2011-01-12 15:49
Pandämonium Germanicum: weiter so!begeisterte Zuschauerin
Nochmal zum Pandämonium Germanicum: der Titel ist Programm! War gestern wie angekündigt zum zweiten Mal in der Vorstellung, die mir noch besser gefallen hat als die Premiere. In der Zwischenzeit habe ich mir auch das Orginal Pandämonium von Lenz im Netz angeschaut. Mein Fazit: andcompany&Co. bringen das Pandämonium auf wunderbare und spielerische Weise ins Heute, es ist ihre "Eselei" und die Reaktionen sind dementsprechend heftig, weil da ein empfindlicher Nerv getroffen wurde. Ich habe nur begeisterte Zuschauerreaktionen mitbekommen, also weiter so!
#28 2011-01-13 21:33
Pandämonium, Berlin: Vernetzen Sie sich, nachtkritik!Stefanie
Ich finde es arm, liebe nachtkritik, dass die Kritik aus der Berliner Gazette sich nicht in der Presserundschau befindet, sondern hier nur als selbstgeposteter link vorkommt. Das wurde dort bemerkt und diskutiert: berlinergazette.de/.../...
Ich habe mich dort dazu zu Wort gemeldet und melde es nun hier: Ihr seid, liebe nachtkritik, auch ein elektronisches Feuilleton und deswegen lese ich Euch gerne. Bitte begreift das: Seid mehr als ein Theater der Zeit 2.0. Nach dreieinhalb Jahren wäre zu disktuieren: Geht da nicht mehr?
#29 2011-01-14 12:29
Pandämonium, Berlin: Redaktions-Hinweis zu Kritikenrundschauennachtkritik-Redaktion
Liebe Stefanie,

unsere Kritikenrundschauen beanspruchen in keiner Weise, vollständig zu sein. Sie sollen ein Service für unsere Leser sein und die wichtigsten, (bisher) Diskurs-prägenden Stimmen in einer schnell zu überblickenden Zusammenschau versammeln. Deshalb schauen wir täglich die überregionalen Feuilletons nach Kritiken zu den von uns rezensierten Inszenierungen und anderen interessanten Texten über Theater durch. Dazu sollten in jeder Kritikenrundschau lokale Stimmen vorkommen, um auch die Wahrnehmung vor Ort abzubilden.
Dabei fallen zahlreiche Medien in der Regel unter den Tisch: Theaterfachzeitschriften, Stadtmagazine, weitere Lokalzeitungen, überregionale Berichterstattung von Lokalzeitungen anderer Regionen als der, aus der berichtet wird, und viele mehr.

Diese Beschränkung hat nichts mit Ignoranz oder Geringschätzung dieser anderen Medien (egal, ob Print oder Online) zu tun, sondern ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass das Bemühen um Vollständigkeit unsere Kapazitäten (und vermutlich auch die Aufmerksamkeit der Leser) bei Weitem übersteigen würde. Texte suchen, ggf. erst beschaffen und vor allem zusammenzufassen, braucht Zeit, viel Zeit.

ABER: Die Beteiligung der Leser ist auf nachtkritik.de sehr wichtig, die Leser-Kommentare haben bei uns einen hohen Stellenwert und bekommen viel Aufmerksamkeit. Es kann jeder, der bei uns nicht vorkommt, aber seine Argumente bei uns veröffentlichen will, diese in einem Kommentar posten. Oder er kann, wie in diesem Fall geschehen, einen Link-Hinweis geben. Ebenso kann jeder, der etwas falsch oder unzureichend dargestellt findet, widersprechen, ergänzen, weiterspinnen.
Es muss sich niemand von der Diskussion ausgeschlossen fühlen.

Die Redaktion
#30 2011-01-14 13:22
Pandämonium, Berlin: Plädoyer für VernetzungStefan
Ich denke, Krystian Woznicki strebt keine Kommentatorenkarriere bei Nachtkritik an. Es geht ihm mehr um eine breitere Vernetzung von Onlinemedien untereinander und in den Offlinebereich der Kulturbetriebe hinein. Er hat mit der Berliner Gazette immerhin den Alternativen Medienpreis 2010 erhalten. Seine Philosophie ist der von anderen Onlinemedien wie Nachtkritik oder Kultiversum nicht unähnlich, zielt aber letztendlich über eine reine Berichterstattung hinaus. In wieweit da ein Interessenkonflikt besteht, kann ich nicht beurteilen, aber Nachtkritik bricht sich keinen ab, die Berliner Gazette zumindest in die Linkliste aufzunehmen. Ein wenig breitere Vernetzung kann nie schaden, wenn daraus fruchtbare Synergien entstehen, mal ganz außerhalb der Frage um die leidige Finanzierung des Ganzen.
#31 2011-01-14 13:35
Pandämonium, Berlin: man sollte viel mehr verlinkennikolaus_merck
Da haben Sie ganz recht, Herr Stefan. Man sollte überhaupt viel mehr verlinken. Deshalb haben wir gleich mal Die Berliner Gazette in unsere Linkliste gepackt.
#32 2011-01-14 14:29
Pandämonium, Berlin: penetrantes Pochen aufs ErscheinungsrechtLobhudalski
Nu linkt mal nicht zu viel. Man kann sich auch verlinken. Lasst Euch auch nicht unter Druck setzen. Die BG von Herrm KW ist ja kein Theaterfachblatt. Schon auch etwas unangenehm, die Penentranz, mit der das Vorkommensrecht bei Euch eingefordert wird.
#33 2011-01-14 15:27
Pandämonium, Berlin: alles auch eine Kostenfragelobhudolski
ich glaub, es ist ganz einfach: nachtkritik ist keine verlagsseite, sondern wird von einzelnen leuten in der redaktion gemacht. es ist offenbar alles auch eine kostenfrage, deshalb wahrscheinlich jetzt der spendenaufruf. meine meinung: statt hier rumzunörgeln, spenden sie was. dann wirds vielleicht auch besser in zukunft.
#34 2011-01-14 15:44
Pandämonium, Berlin: Überangebot nicht Sinn der SacheFlohbär
Ja, die Kritik in dieser Gazette ist nicht unbedingt seriös. Es wimmelt nur so von reißerischen Vokabeln, als sei die deutsche Kulturlandschaft durch dieses harmlose Stück erschüttert worden. Im Aufbauschen von Kleinaktionen scheint das wahre Talent dieses Rezensenten zu liegen. Es wäre besser, wenn sich Nachtkritik auf die maßgeblichen Quellen beschränken würde. Ein Überangebot von Links ist nicht Sinn der Sache – wer nach weiteren Informationen sucht, wird sie schon finden.
Manche Leser scheinen einen umfassenden Service von Nachtkritik vorauszusetzen und wollen immer mehr. Im Grunde sollte man froh sein, dass es dieses kostenlose Forum überhaupt gibt.

Genau, Herr Flohbär, und damit es dieses kostenlose Forum weiter gibt, sollten die geschätzten Leser_Innen hin und wieder fünf Euro in die Büchse werfen. Sie wissen doch:
"Der Euro in der Büchse klingt,
der Leser in den Himmel springt..."
merck
#35 2011-01-14 16:24
Pandämonium, Berlin: Zeit für UtopienStrafkolonie
Freunde!
Wäre es nicht an der Zeit anstatt für Nachtkritik zu spenden eine unabhängige Platform aufzubauen? Ein Theater-Kritik-Wiki?
Wenn schon die jungen Theaterwissenschaftlerinnen von Herrn Pilz zum Gang in ein vermeintlich kontroverses Stück aufgerufen werden, ja dann möchte ich dieser neuen Generation ans Herz legen die arg staubigen Strukturen (...) zu überdenken und gegebenenfalls zu zerschlagen. Es ist Zeit für Utopien!

In diesem Sinne: HANDELN, HANDELN, HANDELN

Eure Strafkolonie
#36 2011-01-14 16:35
Pandämonium, Berlin: freies MitdenkenStefan
@ Flohbär und 32, 33
Was bitte verstehen Sie denn unter seriös? Tendenziös und lobhudelnd ist die Kritik ja nun auch nicht gerade. Es ist aber wohltuend, dass sich Krystian Woznicki ein paar mehr Gedanken gemacht hat, als vielleicht nötig für die Berichterstattung, die hier in diesem Fall etwas dünn ausgefallen ist. Wenn das schon unseriös ist, weiß ich ja nicht, was Sie von der BILD-Zeitung halten. Was sind denn bitte maßgebliche Quellen, wer bestimmt das und wer gibt das Maß vor? Natürlich ist das Sache der Redaktion, aber auch da gibt es vorgefertigte Meinungen darüber und die kann man ja wohl mal hinterfragen. Ich plädiere ja nicht für ein Verlinken auf Teufel komm raus, die Listen hier sind lang genug und es gibt zweifelsohne noch mehr Angebote, das Netz lebt und webt sich weiter, es ist kein starres Gitter. Das ist keine Penetranz und Nörgelei, sondern freies Mitdenken.
#37 2011-01-14 17:19
Pandämonium, Berlin: theater maker is talkingforeign theater maker
I would like to question Stefan about this Ausland perspective about german reviewers. I came from south America and never heard of it. In fact, we dont talk about german reviewers there at all. We talk about what interest us or not in german theatre. I made my judgement after seeing the play and reading some reviews (thats why plural was used, critics), including this one, that got no arguments, just hateful bragging. In my opinion, saying that the play is not understandable is a easy way out. If critics dont have proper instruments to do criticism, they should try to go after them to say properly what they dont agree on. Is this a case where the stage is more advanced than the critics?
#38 2011-01-14 18:16
Pandämonium nachtkritik: Frage und AntwortStefan
Lieber Herr Merck,
dürfen wir bei Gelegenheit auch mal erfahren, was Sie mit dem vielen Kleingeld der geneigten Leserschaft angefangen haben? Ich komme ja vor lauter Springen gar nicht mehr in den Schlaf.
#39 2011-01-14 18:25
Pandämonium, Berlin: this interests me very muchHudel vom Lobhudel zu Ley
What bitte is a theater maker? Is that ein Macker, (or Macho as you might say in South America) who makes Theater? Einer, der vielleicht auch noch eine Macke hat? Einer, der schlechte Kritiken nicht verträgt und deshalb maekert? This Auslandsperspektive interests me very much. I very much hope daß die andcos sind nicht so blöd wie ihre Fans. Otherwise my world would break together.
#40 2011-01-14 19:31
Pandämonium, Berlin: Pathosformeln zu Maulwurfshügeln Flohbär
Was ich für unseriös halte, Stefan? Das sind diese klotzigen Formulierungen, die ein relativ unbedeutendes Kulturereignis unnötig aufpolieren. Da ist eine schlichte Aufführung, aber sie kommt bei Woznicki mit der "rituellen Wucht einer Teufelsaustreibung“ daher und dringt bis ins "Herz der Kultur-Republik Deutschland“ vor, "die nicht ohne eine Halbgötterwelt der Lichtgestalten auskommt“. Nun gut, vielleicht schätzen Sie das majestätische Pathos des Kritikers und finden auch Gefallen an der "Energie des Wahnsinns“. Immerhin reichte diese Energie dazu aus, dass ich während der Aufführung nicht eingeschlafen bin. Letztlich ist das alles Geschmackssache: Sie mögen anscheinend derartige Pathosformeln und haben nichts dagegen, wenn aus einem Maulwurfshügel ein (Kultur-)Berg gemacht wird.
Zum Glück ist Woznicki nicht in die Niederungen der Boulevardkritik herabgestiegen. Lesen Sie einmal die Kritik von Karasek über den "Blauen Engel" (Spiegel 1.6.1992):
spiegel.de/.../d-13681608.html
#41 2011-01-14 20:09
Pandämonium, Berlin: auf der Bühne sollte man voraus seinStefan
Mal Scherz beiseite, ich denke ich habe schon verstanden, was 37 sagen will. Aber die Frage zielt ja eher an die Kritiker selber. Ich hoffe, dass man auf der Bühne den Kritikern immer eins voraus ist, sonst haben die nämlich nichts mehr zu tun, langweilen sich, fühlen sich unterfordert und schreiben dann komisches Zeug, wie z.B. eben bei Lenz im Loop. Dass die Kritik meint, es besser zu wissen, ist wahrscheinlich kein deutsches Phänomen allein und in diesem Thread geht es ja eigentlich noch relativ gesittet zu. Man sollte sich stets eine zweite Meinung einholen und dann nicht vergessen selber zu denken. Kritik muss sein, hat aber keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Nachtkritik bietet ja nicht umsonst die Möglichkeit des Einspruchs und der Diskussion. Das Netz lebt, habe ich ja schon weiter oben geschrieben.
#42 2011-01-15 00:59
Pandämonium, Berlin: im Tempel der leichten MuseStefan
@ Flohbär
Wo haben Sie denn diese lustige Kritik ausgegraben? Peter Zadek im Theater des Westens, mit Ulrich Wildgruber, Eva Matthes und einer Ute Lemper als fesche Lola. Hoffentlich durfte Martin Wuttke da mehr als nur 1 Stunde rumzappeln. By the way, was ist eigentlich aus Andrej Woron geworden? Da war also mal richtig was los im Tempel der leichten Muse. Das hätte ich mir gerne angesehen, leider habe ich zu dieser Zeit noch in der Provinz Zonenrandermutigungen beigewohnt. Heute macht immerhin noch Thomas Brussig das Libretto für das Udo-Lindenberg-Musical. Schade das da keiner von Nachtkritik hingegangen ist, die Kritiken hätte ich gerne gelesen.
Karasek ist dann jetzt also das Beispiel für eine tendenziöse Theaterkritik. Jetzt schreibt er ja eher Kolumnen in der Morgenpost. Er ist also schließlich auch angekommen und das nach Jahren an der Seite von Literaturpapst Reich-Ranicki. Und was sagt uns das jetzt, die Strafe kommt früher oder später? Muss ich mir nun ernsthaft Gedanken machen, wenn ich über den nächsten Maulwurfshügel stolpere? Für einige kann so ein kleines Hügelchen schon zum unüberwindlichen Berg werden, andere beflügelt ein großer Berg erst wirklich. Mit Pathos hat das eigentlich nichts zu tun, große Worte sind nicht unübliche in Theaterkritiken. Die großen Gesten auf der Bühne von Pandämonium Germanicum sind auch nicht völlig aus der Luft gegriffen und Sie haben schon die richtigen Stellen gut zitiert.
#43 2011-01-15 01:32
Pandämonium, Berlin: shockedforeign theater maker
As I can see, this discussion forum is not used to commentaries of people from other countries that are visiting Berlin. Shocked to see how often the disqualification is used in the place of argumentation. Mas o que fazer, nao é?
#44 2011-01-15 11:43
Pandämonium, Berlin: die Macht der PresseFlohbär
@ 43:
Nonsense, your opinion is welcome. Number 41 gave an answer, but only in German. This is the master-commentator Stefan – sometimes he wants to kill two birds with one stone.
@ Stefan:
Die Kritik von Karasek mag sich zwar sehr lustig lesen, war aber dennoch ein Verriss und wurde bei Frau Lemper teilweise beleidigend. Sie musste sich noch ähnliche persönliche Kritiken anhören und tauchte dann ins Ausland ab. Ich habe die Ereignisse rund um den „Blauen Engel“ damals in Fernsehausschnitten und in der Presse verfolgt. Obwohl schon in Berlin lebend und flankiert von Rocker-Nachbarn im Wedding, war ich bei der Aufführung nicht körperlich anwesend und konnte die Professionalisierungsversuche des Jungtalents Wuttke nicht live beobachten.
An diesem Beispiel wurde deutlich, wie groß die Macht der Presse ist. Keinem Regisseur können die Kommentare der Kritiker gleichgültig sein. Herr Pilz langte bei „Pandämonium“ – für seine Verhältnisse ungewöhnlich kräftig – hin, aber er konzentrierte sich auf die Aufführung und enthielt sich der persönlichen Einzelkritik. So war seine Kritik für die Betroffenen wohl noch erträglich.
#45 2011-01-15 15:46
Pandämonium, Berlin: not only a German phenomenonStefan
@ foreign theater maker
Sorry, joke aside, I already understood, what you want to say. But the question should go better to the critics. I hope, the people on stage are further ahead to the critics, otherwise the critics have nothing more to do, they bore themselves, feel unchallenged and write then amusing things, like to “Lenz im Loop”. That the criticism means to know it better, is not probably only a german phenomenon and this discussion runs still relatively normally (except 39). You should always catch up yourself a second opinion and don`t forget to thinking. Criticism must be, but it does not have a requirement on general validity. “Nachtkritik” offers the possibility of the objection and the discussion. The net is alive, that already further above I wrote. Don`t be discouraged, continue to take part at the discussion!
#46 2011-01-15 19:26
Pandämonium, Berlin: Unglücksschmieden des Theaters?Theaterwissenschaftlerin, ratlos
@44: Die Künstler müssen das schon aushalten können, aber um die geht es ja nicht allein: Es gibt einige Leute (auch solche, die das Stück gar nicht gesehen haben), die die Glosse von Dirk Pilz irritiert hat. Was soll dieser Rundumschlag gegen die Theaterwissenschaft? Gelten die Institute in Frankfurt, Gießen, Hildesheim etc. mittlerweilen wieder als "Unglücksschmieden" des deutschen Theaters?
#47 2011-01-17 11:08
Pandämonium, Berlin: Quellenangabesly
Eine kleine Quellenangabe: ´Der Freund´ Nummer 1 s.7 'In der Mitte? Ach, in der Mitte ist nichts'. Da war der Wunsch den Artikel wiederzulesen der Vater des Gedankens in einfach als Satz-Titel/Titel-Satz einzubauen. Auf Seite 41 findet sich der Artikel `Der Traum in der Maschine` daraus: "Die Dream Maschine ist eine Erfindung des kanadisch-islamischen Brion Gysin[..]ein sonderbar geformter Zylinder mit ausgeschinttenen ovalen Mustern, der sich auf Knopfdruck dreht, leuchtet und in verschiedenen Farben flackert."
10€ sind natürlich sehr viel Geld für eine Ausgabe "der Freund" zu kaufen. Die Zeitschrift ist immer besser geworden und es wäre schade wenn man nur die erste Ausgabe kauft, wegen dem hohen Preis jetzt.
Super hat mir aber gefallen wie das Namenszeichen Lenz´zu diesem Taschenrechnersymbol wurde, diese Sternen-Null die man sieht wenn das Teil kaputtgeht, und das dann übergeleitet hat zur dreidimensionalität mit der Lampe. Ans 3D Kino habe ich dabei lustigerweise erst 3 tage später gedacht.
#48 2011-01-17 18:14
Pandämoonium, Berlin: about the so called criticforeign theater maker
I dont think that the stage should be ahead of the critics so the critics can amuse themselves.As far as I can see, theater shouldnt be done for critics. With that, I dont mean that critics are not important. If they try to (at least) describe the object their are writing about (and Im sure they can do more than that) they contribute to public debate. If not, I keep asking myself what is the point of making critics (knowing that in the land of Kant and Hegel, this word has a very strong semantic field). Shouldnt we suspect that if that is not the case (the critic making it easier for us to know what the object is-as far as it can go), the so called critic has the function of guiding consumers to what is considered by the newspaper with market value? Or else, shoudnt we suspect that the so called critic has only the function of attending certain political interests, for example,a conservative perspective that get very angry with new forms (and maybe new politics)?
So far, the Inhalt of Lenz im Loop should be more discussed, dont you think? And the relation between the Inhalt and the Form also, as far as I can see...
#49 2011-01-17 20:32
Pandämonium, Berlin: ihr macht euch lächerlichsabine henn
liebe andcompany, ich weiß nicht, ob ihr es schon mitbekommen habt, aber ihr macht euch lächerlich. überall höre ich schon, wie peinlich es ist, dass ihr hier selber die kommentare schreibt und euch hochlobt. ihr seid zur witzfigur geworden, habt ihr das bemerkt? ich habe viele eurer arbeiten gesehen und denke, das muss wirklich nicht sein - damit werdet ihr wirklich lächerlich. einigen hat eure letzte arbeit nicht gefallen, und? ist das so schlimm? lasst diese peinlichkeit doch einfach, ich schäme mich regelrecht dafür, auch was ihr hier schreibt, vor allem in den englischen kommentaren: ihr seid doch nicht so schlicht zu glauben, theater in links und rechts, konservativ und neu einzuteilen, oder? so was denkt man doch höchstens im ersten semester, aber doch nicht ihr, oder etwa wirklich?
ich meine das nur gut: hört auf, euch so albern aufzuführen und macht lieber wieder theater.
#50 2011-01-18 00:08
Pandämonium, Berlin: I am Pedroforeign theater maker- Pedro
I am astonished, Sabine. My name is Pedro, I come from Brazil and I am staying here in Berlin for two months. If you want to see if I am real, we can meet somewhere public and I can sign a paper, after showing my passport, declaring that I am real.

Its really freaky to see that there are people that think that I am not for real. And worse, that distort a question I´ve posed into a blunt affirmation.
Ps: Really, if you want to meet in a public place, even take a foto and see if my passport is for real, please ask. And if you want this poor narrowed minded foreigner to think its narrow thoughts Live in front of you in a public place, so that you dont have any more doubts, please, please, say so. And to me, I had enough of nachkritik forum.
#51 2011-01-18 00:51
Pandämonium, Berlin: ja!antwort
@46, auf ihre letzte frage: ja!
#52 2011-01-18 02:20
Pandämonium, Berlin: bis auf Ausnahme enthaltsamsascha sulimma&Co.
liebe sabine henn,
da hast du leider falsch gehört, wir haben uns dieser diskussion bisher enthalten. allerdings nehme ich deinen beitrag gerne zum anlass mir hiermit selber zum 50. kommentar zu gratulieren. bravo!

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