Führungskrise am Staatstheater Karlsruhe: Schauspieldirektorin Anna Bergmann im Interview

Intendant unter Beobachtung

Anna Bergmann im Gespräch mit Esther Slevogt

19. Juli 2020. Bis vor kurzem hatte das Badische Staatstheater in Karlsruhe den Ruf, ein modernes Vorzeigehaus zu sein. Das hatte vor allem mit der seit 2018 amtierenden Schauspieldirektorin Anna Bergmann zu tun, die als erste Amtshandlung eine hundertprozentige Regie-Frauenquote einführte. Inzwischen wurde das von Generalintendant Peter Spuhler geleitete Mehrspartenhaus von einer Führungskrise erfasst, in der dem Intendanten unter anderem Machtmissbrauch und ein toxisches Arbeitsklima vorgeworfen werden. Im Zuge dessen wurde ein Spartenleiter nach Vorwürfen sexueller Übergriffe freigestellt.

Auf einem Instagram-Account, wo unter anderem anonym Vorwürfe gegen die Leitung veröffentlicht wurden, finden sich auch Spitzen gegen Anna Bergmann. Zu den Vorgängen in Karlsruhe hat sie lange geschwiegen – aus schwerwiegenden familiären Gründen, wie sie im Vorgespräch zu diesem Interview mitgeteilt hat. Das Interview wurde am Freitagabend nach einer Mitarbeiterversammlung im Badischen Staatstheater per Telefon geführt. Am Vormittag hatte der Verwaltungsrat des Theaters in Karlsruhe getagt – und Peter Spuhlers Verbleib im Amt beschlossen.

Kirill Serebrennikows Schlussrede vor dem Gericht in Moskau

"Sie haben Lügen erzählt"

von Kirill Serebrennikow

Bevor der russische Regisseur Kirill Serebrennikov am 26. Juni 2020 in Moskau zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde, hielt er am Montag, 22. Juni, vor dem Gericht in Moskau eine Rede, die wir hier dokumentieren. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Birgit Lengers, Dramaturgin am Deutschen Theater in Berlin. Sie weist darauf hin, dass die ersten Buchstaben jedes Absatzes im russischen Original folgende Aussage ergeben: "ICH BEREUE NICHTS. IHR TUT MIR LEID."

Interview: Maria Happel, Leiterin des Wiener Max Reinhardt Seminars und Burgtheaterschauspielerin, über die Schauspielausbildung unter Corona-Schutzvorkehrungen

Den Zauber weiterflüstern

Maria Happel im Interview mit Elena Philipp

Das Interview entstand im Rahmen des Überblickstextes: Zur Lage der deutschsprachigen Schauspielschulen unter den Corona-Schutzverordnungen.

Maria Happel, die Theater sind geschlossen. Was fehlt Ihnen am meisten?

Das Publikum, der Geruch meiner Garderobe.

Was wird aus dem Schauspiel, einer Kontaktkunst, wenn der Körperkontakt verdächtig wird?

Es gibt nun mal die Regelungen. Wenn man sich darauf einlässt, entstehen vielleicht ganz neue Dinge. Wir mussten viel über Zoom unterrichten – und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Nähe entstehen kann, wenn man einen Othello in seinem Kämmerchen in Wien sitzen hat und eine Desdemona in ihrem ehemaligen Kinderzimmer in Leipzig – das ist aber geschehen. Man sah einen Othello in einem Kriegsgebiet , der mit seiner Freundin in Leipzig chattete. Uns kam die Idee, dass man das so auf die Bühne bringen könnte, es hatte plötzlich eine andere Aktualität.

E-Mail-Austausch: Frank Schubert, Professor für Schauspiel / Theater an der Hochschule der Künste Bern, über die Schauspielausbildung unter Corona-Schutzvorkehrungen

Der Mailwechsel entstand im Rahmen der Recherchen zum Überblickstext: Zur Lage der deutschsprachigen Schauspielschulen unter den Corona-Schutzverordnungen.

 

Es ist einfach ALLES anders

Mailwechsel von Frank Schubert und Elena Philipp

Frank Schubert am 8. Mai 2020: Es hat sich die Welt verändert

Liebe Elena Philipp!

Es ist seit unserem letzten Kontakt nicht nur Zeit vergangen, es hat sich die Welt verändert. Natürlich auch für die Schauspielausbildung. Gerade für die Schauspielausbildung. Und ganz speziell für die Studieneinsteiger, die nicht wissen, ob sie überhaupt noch Schauspiel studieren können.

Mit dem Untertitel "Szenen, die der Autor nicht schrieb" entwickeln unsere Studis in jedem Jahr (am Ende des ersten Semesters) eigene Szenen aus Shakespeare-Stoffen heraus. Persönlich und energiegeladen. Daran halten wir allerdings aus guten Gründen fest.

Aber Corona hat alles verändert. Auch den Blick auf die Inhalte.

Unterkategorien