Berlin ist nicht satisfaktionsfähig

14. September 2016. In der Berliner Kulturpolitik brodelt es weiter. Nach dem nicht abflauen wollenden Streit um die Berufung von Chris Dercon zum Nachfolger von Frank Castorf als Intendant der Volksbühne, protestieren nun Tänzerinnen und Tänzer des 2004 fusionierten Berliner Staatsballett gegen die Berufung der Choreographin Sasha Waltz zur Ko-Intendantin ihrer Compagnie ab 2019. Wir berichteten. Aus den Presseberichten zu der Angelegenheit lässt sich eine Menge lernen. Wir haben deshalb eine ausführliche Presseschau erstellt.

s="text_titel_ohne_autor">Im Einparteienstaat

Zur Situation des Theaters in Ungarn schreibt Stephan Oszváth auf der Seite des Deutschlandradios (10.9.2016 - hier gibt's den Beitrag zum Nachhören):

Berliner Bilanz

9. September 2016. Im Berliner Tagesspiegel (4.9.2016) zieht Rüdiger Schaper kurz vor der Abgeordnetenhauswahl eine Bilanz der jüngeren Berliner Kulturpolitik. "Im Dezember 2014 hatten plötzlich der kulturpolitische Novize Michael Müller und der frisch eingearbeitete Quereinsteiger Renner die Geschicke der Kultur in der Hand." Seitdem sorgte im kulturellen Bereich keine politische Entscheidung für ähnlich viel Kritik und Anfeindungen wie die angekündigte Ablösung von Intendant Frank Castorf durch Chris Dercon an der Volksbühne." An Renner klebt jetzt das Label des Castorf-Terminators." 

Wachstum statt Wandel

8. September 2016. Der Bayerische Rundfunk sendet am 13. September einen einstündigen Essay von Tobi Müller zur aktuellen Debatte über die Zukunft des Stadttheaters, zeigt aber als Teaser schon mal Müllers Thesen her. Ausgehend von der hitzigen Debatte über die Berliner Volksbühne konstatiert Müller, dass sich die Theater in einer Relevanzkrise und deshalb der Defensive befinden.

Theater der Zukunft

7. September 2016. "Es geht um das System, es geht um das deutsche Stadttheater", schreibt Amelie Deuflhard in der Süddeutschen Zeitung (7.09.2016) in Bezug auf die Volksbühnen-Debatte. "Es geht um die Frage, wie man diese Häuser mit ihrem Personal nutzen kann, ob man sie öffnen, verändern und internationalisieren soll." Die Berufung Dercons löse Ängste vor u.a. Marktangepasstheit und Neoliberalismus aus, die Berufszeichung Kurator werde gerade zum "Schimpfwort". "Der Kurator, die Kuratorin wird zum Inbegriff des Theaterzerstörers. Sein oder ihr Programm steht für internationalen Mainstream und Austauschbarkeit."

"Sie brauchen die Wüste"

2. September 2016. Anlässlich der anstehenden Premiere von "Die Fremden" bei der Ruhrtriennale interviewt Alex Rühle den Autor Kamel Daoud und den Regisseur Johan Simons, der Daouds seiner Inszenierung zugrunde liegenden Roman "Der Fall Meursault - Eine Gegendarstellung" als "hervorragenden Kommentar zur sogenannten Flüchtlingskrise" bezeichnet und sagt: "Diese Menschen müssen Teil unserer Gesellschaft werden. Das heißt, dass man sie wirklich annimmt und ihnen nicht nur Essenspakete zukommen lässt. Auf der anderen Seite aber auch, dass man sie kritisieren können muss."

Unter Übermenschen

1. September 2016. Die Intendanten der deutschen Theater genießen eine weltweit einzigartige Machtfülle. Der Streit um die Berliner Volksbühne zeigt aber: Das wird wohl nicht so bleiben. In der Süddeutschen Zeitung blickt Christopher Balme auf das System.

Ein Zauberer wird Siebzig

24. August 2016. "Wie er zaubern konnte!" Zu dessen siebzigsten Geburtstag loben Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung den Kritiker und Journalisten Benjamin Henrichs in höchsten Tönen. "Wie er in ein paar Sätzen die Essenz, die Stimmung, den Geschmack und den Geruch eines Theaterabends beschwor, das macht ihm bis heute keiner nach", schreibt etwa Andreas Kilb in der FAZ.

Wenn aus Traumata Kunst wird

24. August 2016. In einem ausführlichen Diskussionsbeitrag schreibt Ann Esswein für Der Freitag (24.8.2016) über die "Grenzen zwischen Kunst, Ausbeutung und Therapie." Dafür sprache sie unter anderem mit den jungen Mitgliedern der Theatergruppe Travellers 3, die aus vornehmlich jungen Flüchtlingen besteht. "Jeder hat eine Geschichte, die er mit sich schleppt", erzählt der Autorin zum Beispiel der 18 Jahre alte Abdil Karim. Was hier, im interkulturellen Theaterzentrum in Neukölln, aus Improvisationen entseht, könnte man ein "Laientheater" oder eine "sozialpädagogische Maßnahme" nennen, so Esswein. Für sie ist es vor allem: "Ein Gegenentwurf zum Repräsentationstheater der etablierten Häuser."