Gestern in der Schaubühne

15. Januar 2009. Gestern in der Schaubühne hat Sepp Bierbichler seine Schuhe ausgezogen. Auf der Bühne. Während der Premiere von John Gabriel Borkman. Wir fragten uns hinterher: Inszenierung oder Bühnenproblem? Immerhin hatte sich Felix Römer beinahe auch flach gelegt, und Angela Winkler rutschte oder stolperte beim Schlussapplaus.

Aus dem Leben der Nachtkritiker

13. Januar 2009. Als die Nachtkritiker noch klein waren, passierte es ihnen schon einmal, dass sie vor den Pforten des Paradieses abgewiesen wurden. In Wien, wo der große Luc Bondy, mit dem auch sehr großen Gert Voss den noch größeren "König Lear" inszenierte. Als die Nachtkritiker noch klein waren, schickten sie einfach ihren Premierenbericht von vor den Pforten des Paradieses. Dass sich im Paradies wenig Paradiesisches abspielte, konnten später alle sehen, als der große Gert Voss im kleinen Fernsehkasten bei der Lear-Übertragung pathetisch sich das Hemd vom Leibe riss.

Willkommen!

11. Januar 2009. In einer Kurzglosse in einer Frankfurter Sonntagszeitung lesen wir, wie Volker Weidermann am Abend des 80. Geburtstages von Heiner Müller der Krise des Theaters begegnete, in, na, was denken Sie, wo?: richtig, in der Volksbühne. Außerdem traf er dort Italiener, Studenten und einen "Obdachlosen mit einer Tasche voller tropfender, bestialisch stinkender Fäkalien". Wir rufen ein freundliches: Willkommen im gemütlichen Krisen-Plauderer-Club!

Der Hochkulturpromi

von Tomo Mirko Pavlovic

8. August 2007. Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man sich unsicher fühlt. In der Bank, wenn einen der grinsende Hosenanzug Anfang Zwanzig fragt, ob man noch nicht angesichts des fortgeschrittenen Alters und der aktuellen Rentendiskussion an die Erstellung eines persönlichen Liquiditätsplans für die Restzeit gedacht habe. Bei einer Fahrzeugkontrolle auf dem Balkan, wenn man bemerkt, dass der sich nähernde Polizist Turnschuhe trägt.

Der Bronchialneurotiker

von Tomo Mirko Pavlovic

26. Juli 2007. Es gibt Dinge im Leben, die existieren und niemand weiß, warum. Schnaken. Das Fernsehen. Durchschnittlich sechs Kassen im Supermarkt, von denen höchstens zwei besetzt sind. Oder der Call-Shop nebenan, wo kein Mensch jemals telefoniert, nicht einmal der Besitzer selbst, ein mürrischer Äthiopier, der nie zurückgrüßt und trotzdem einen Mercedes fährt. All das gibt es und man sollte niemals nach ihrem Sinn fragen.

Der Angreifer

von Tomo Mirko Pavlovic

23. Juli 2007. "Das ist mein Platz!" Da ist er schon wieder, dieser Satz. Und sein dazugehöriger Mensch. Baut sich vor einem auf wie eine Fleisch gewordene Aufforderung. Ein Vertreibungsdekret mit Lesebrille. Ein performativer Akt mit Theaterkarte am langen Arm.

Der Frühaufsteher

von Tomo Mirko Pavlovic

20. Juli 2007. Es gibt Menschen, die sich wundern, wenn sie ein scheinbar herrenloses Badetuch auf einem adriatischen Liegestuhl Sekunden nach Sonnenaufgang sehen. Es gibt Menschen, die sich immer noch fragen, weshalb es ihnen niemals gelungen ist, ihren Namen an erster Stelle auf dem Seminaraushang für das neue Semester einzutragen.