Kloster-Schocker

23. Juli 2014. Aktuell herrscht Gleichstand bei der Sommer-Umfrage der Aargauer Zeitung (AZ). "Halten Sie das Stück 'Viel Lärm um nichts' an den Klosterfestspielen Wettingen für zu vulgär?", das ist die Frage. Auf die begeisterte Kritik des Abends von Christian Berzins erhielt das Blatt nach eigenen Angaben eine Menge empörter Leserbriefe, die Thorleifur Örn Arnarssons auch von uns und den anderen Rezensenten gemochte Inszenierung unter anderem als "vulgäre Verarschung von Shakespeare-Stoff" schimpften.

Anleitung zum Shitstorm

22. Mai 2014. Nachwuchsdramaturg Henning Hartmann ist der Antiheld von Soeren Voimas Theaterbetriebssatire "Die römische Octavia", die Nick Hartnagel im Februar in Hannover uraufgeführt hat. Mit einem Hauptdarsteller namens Henning Hartmann (aus dem Ensemble des Schauspiels Hannover). Verwirrend? Es lauert noch eine Meta-Ebene: Um die Inszenierung herum hat die Figur Hartmann sich im Netz eine zusätzliche eigene Bühne gebaut; und in der gestern erschienenen 21. Folge seines Youtube-Videoblogs legt er offen, wie er "im Kampf für bessere Auslastungszahlen" eine Kommentarkampagne auf nachtkritik.de gestartet hat – Methode im Sinne der Qualitätssicherung/-steigerung NICHT zur Nachahmung empfohlen ...

{denvideo https://www.youtube.com/watch?v=6YWB4j545Dg}

(sd)

... und ein bisschen an der Satzstellung schnipseln

von Wolfgang Behrens

Berlin, 9. Mai 2014. Die Frage, was einem Theatertreffen-Juror während seiner Jury-Tätigkeit wohl am schwersten fällt, ist nicht gerade eine, die einem auf den Nägeln brennt. Manchmal aber treffen einen unerwartet Antworten auf Fragen, die man nie gestellt hat. Der Jurorin Daniele Muscionico jedenfalls, der der Auftrag zufiel, im Magazin des Theatertreffens die Einladung an Frank Castorfs "Reise ans Ende der Nacht"-Inszenierung zu begründen, scheint ebendies außerordentlich schwer gefallen zu sein. Oder vielleicht gerade nicht? Es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen.

Kurzer Geburtstagsgruß

23. April 2014. Letzte Woche widmete ihm die "Zeit" gleich mehrere Seiten anlässlich des 450. Geburtstags, der auf den heutigen Tag datiert ist.

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von Wolfgang Behrens

12. April 2014. "Powered by Eventim" steht unten auf der Seite des Webticket-Shops der Berliner Festspiele. Nach dem einstündigen Versuch, online Tickets für das Berliner Theatertreffen zu erwerben, wünscht man allerdings keinem, powered by Eventim zu sein. Eine schwächlichere Performance als diejenige dieses Vorverkaufssystems kann es, zumindest unter Belastungsbedingungen, nicht geben. "Weakend by Eventim" wäre wohl der ehrlichere Slogan.

Virtuelles Mitmach-Theater

von Esther Slevogt

4. April 2014. Die Kommentare auf nachtkritik.de sind eigentlich auch eine Kunstform. Manchmal ist es digitales Stehgreiftheater. Dann wieder hat man es mit hochdramatischen Debatten zu tun. Die Fetzen fliegen. Digitales Blut fließt in Strömen. Diskurstheater kommt auch immer wieder vor. Und Straßentheater sowieso. Die Formate sind also verschieden. Manchmal sind die Postings dokumentarisch, stammen von echten Experten. Andere wiederum setzen sich Nicknames wie Masken auf. Und so wurde hier schon manchmal darüber nachgedacht, ob man aus den Kommentaren nicht mal ein Theaterstück machen sollte. Oder viele Minidramen. Wer aber sollte die körperlosen Stimmen in den Kommentarthreads darstellen? Welche Theaterform wäre geeignet. Das Puppentheater vielleicht?

Image-Verlust-Ängste in Oldenburg

31. März 2014. "Immobilien GmbH verhindert Theaterprojekt über Kloster Blankenburg vor Ort" meldet das Oldenburgische Staatstheater heute vormittag an die Presse und liefert die Kontaktadresse zu besagtem Immobilienunternehmen gleich mit. Beim ersten Überfliegen der Pressemitteilung erscheint dieser Satz hier kurios: "Möglicherweise befürchtet der Immobilienkonzern einen Imageverlust des Geländes durch das Theaterprojekt und verhindert aus diesem Grund dessen Realisierung."

Der ununterdrückbare Geist der Darstellung

27. März 2014. Heute ist Welttheatertag. Er ist eine Erfindung des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und wird weltweit mit Bepreisungen, Theaterfesten und anderen Aktionen begangen. Außerdem verleiht das deutsche Zentrum des ITI seit 1985 einen Preis, "mit dem herausragende Persönlichkeiten des Theaterlebens in Deutschland ausgezeichnet werden" – in diesem Jahr geht er an Johan Simons.

Verbrechen und Vaterland

von Esther Slevogt

21. März 2014. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, hat Paul Celan befunden. Nein, Paul Celan war kein "Tatort"-Kommissar, sondern ein deutscher Dichter, der trotzdem wusste, wovon er schrieb. Doch die ARD-Krimiserie, die Ende 1970 zuerst auf Sendung ging, hat diesen berühmten Satz auf das Schönste popularisiert. Auf ihre Art wurde sie DER deutsche Heimatfilm schlechthin. An der Hand regionaler Gesetzeshüter konnten die Nachkriegsdeutschen die Städte und Landschaften ihres schuldbefleckten Vaterlandes neu entdecken. Über das Verbrechen (worüber sonst?!), das jede dieser TV-Entdeckungsreisen natur- und genregemäß grundieren musste, eroberten sich die Deutschen die Provinzen ihrer geschundenen Heimat zurück.

(K)ein Gespräch über den abwesenden Herrn Hartmann

17. März 2014. In der Frankfurter Allgemeinen findet sich heute ein bemerkenswertes Gespräch, das Irene Bazinger mit Wolfgang Engel und Enrico Lübbe geführt hat. Die beiden werden darin als Vorgänger bzw. Nachfolger auf dem Posten des Leipziger Schauspielintendanten angesprochen, was ja grundsätzlich nicht falsch ist, allerdings unterschlägt, dass zwischen den beiden noch jemand Drittes diese Position inne hatte. So ist denn auch das Bemerkenswerteste an dem Gespräch, dass die Fügung aus den beiden Wörtern "Sebastian" und "Hartmann" nicht ein einziges Mal verwendet wird.