Diversität Corona

E-Mail-Austausch: Frank Schubert, Professor für Schauspiel / Theater an der Hochschule der Künste Bern, über die Schauspielausbildung unter Corona-Schutzvorkehrungen

Der Mailwechsel entstand im Rahmen der Recherchen zum Überblickstext: Zur Lage der deutschsprachigen Schauspielschulen unter den Corona-Schutzverordnungen.

 

Es ist einfach ALLES anders

Mailwechsel von Frank Schubert und Elena Philipp

Frank Schubert am 8. Mai 2020: Es hat sich die Welt verändert

Liebe Elena Philipp!

Es ist seit unserem letzten Kontakt nicht nur Zeit vergangen, es hat sich die Welt verändert. Natürlich auch für die Schauspielausbildung. Gerade für die Schauspielausbildung. Und ganz speziell für die Studieneinsteiger, die nicht wissen, ob sie überhaupt noch Schauspiel studieren können.

Mit dem Untertitel "Szenen, die der Autor nicht schrieb" entwickeln unsere Studis in jedem Jahr (am Ende des ersten Semesters) eigene Szenen aus Shakespeare-Stoffen heraus. Persönlich und energiegeladen. Daran halten wir allerdings aus guten Gründen fest.

Aber Corona hat alles verändert. Auch den Blick auf die Inhalte.

Interview: Maria Happel, Leiterin des Wiener Max Reinhardt Seminars und Burgtheaterschauspielerin, über die Schauspielausbildung unter Corona-Schutzvorkehrungen

Den Zauber weiterflüstern

Maria Happel im Interview mit Elena Philipp

Das Interview entstand im Rahmen des Überblickstextes: Zur Lage der deutschsprachigen Schauspielschulen unter den Corona-Schutzverordnungen.

Maria Happel, die Theater sind geschlossen. Was fehlt Ihnen am meisten?

Das Publikum, der Geruch meiner Garderobe.

Was wird aus dem Schauspiel, einer Kontaktkunst, wenn der Körperkontakt verdächtig wird?

Es gibt nun mal die Regelungen. Wenn man sich darauf einlässt, entstehen vielleicht ganz neue Dinge. Wir mussten viel über Zoom unterrichten – und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Nähe entstehen kann, wenn man einen Othello in seinem Kämmerchen in Wien sitzen hat und eine Desdemona in ihrem ehemaligen Kinderzimmer in Leipzig – das ist aber geschehen. Man sah einen Othello in einem Kriegsgebiet , der mit seiner Freundin in Leipzig chattete. Uns kam die Idee, dass man das so auf die Bühne bringen könnte, es hatte plötzlich eine andere Aktualität.

Corona-Umbau: Bund verdoppelt Soforthilfen

Für Spuckschutz und Besuchersteuerung

Berlin, 22. Mai 2020. Der Bund verdoppelt den Etat seines Soforthilfeprogramms "Neustart" von 10 auf 20 Millionen Euro. Das gab die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, heute in einer Pressemitteilung bekannt. Ziel des Programms sei es, "kleineren und mittleren Kultureinrichtungen bei Umbau- und Ausstattungsmaßnamen angesichts der Coronakrise zu helfen". Gefördert würden Anträge auf Investitionen zwischen 10.000 und 50.000 Euro etwa für "Schutzvorrichtungen und die Optimierung der Besuchersteuerung", aber auch für "digitale Vermittlungsformate". Das Programm richte sich demnach an "Museen, Ausstellungshallen und Gedenkstätten, Veranstaltungsorte von Konzert- und Theateraufführungen sowie an soziokulturelle Zentren und Kulturhäuser". 

Recherche in den Bundesländern – Die deutschen Theater proben für den Neuanfang in Corona-Zeiten

Die Fuchtel des Abstandhaltens

von Harald Raab

14. Mai 2020. Der Schauspielintendant des Staatstheaters Stuttgart Burkhard C. Kosminski hat neue, eher ungewohnte Regie-Assistenten bei der Probenarbeit bekommen: einen Mitarbeiter vom Gesundheitsamt, den Betriebsarzt und den Sicherheitsingenieur seines Hauses. Sie haben ein gewichtiges Wort mitzureden, etwa bei der Bauprobe seines neuen Stücks für die kommende Spielzeit. Sie legen ein Veto ein, wenn zuviele Menschen auf der Bühne miteinander agieren sollen. Wo der Intendant drei haben will, will die Corona-Schutztruppe nur zwei zulassen. Der Meterstab ist ein wichtiges Instrument, Fragen zu klären, die vorher rein bewegungsästhetisch und szenengerecht eine Rolle gespielt haben. Am Ende muss das ganze Bühnenbild umgebaut werden.

Presseschau vom 28. April 2020 – Regisseur Frank Castorf kritisiert im Spiegel die Corona-Maßnahmen

"Das beleidigt meine bürgerliche Erziehung"

28. April 2020. Regisseur Frank Castorf übt in einem Interview mit dem Spiegel (€) heftige Kritik an den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus. "Wenn das Robert Koch-Institut klar sagen könnte, dass wir ohne drakonische Maßnahmen in wenigen Wochen 600.000 bis 1,5 Millionen Tote hätten, würde ich sofort einsehen, dass wir einen Ausnahmezustand haben. Aber angesichts der jetzigen Sterblichkeitsrate und der Zahl von bisher weniger als 6000 Corona-Toten sage ich: Es ist immer traurig, wenn ein Mensch stirbt, auch ein alter Mensch. Aber es ist der Lauf der Dinge, den wir akzeptieren müssen."

Kolumne: Als ob! – Michael Wolf entdeckt dramatische Spielräume in den Corona-Verordnungen

I love you, but I’ve chosen Ausgangssperre

von Michael Wolf

7. April 2020. Auf Twitter entdeckte ich den Fußballkommentator Robby Hunke, der – in Ermangelung seines Sports – nun Ereignisse des Alltags kommentiert. Wir sollten uns an ihm ein Beispiel nehmen. Wahrscheinlich ist die Saison gelaufen, aber es kommt ganz sicher eine neue. Künstler, Kritiker und Zuschauer sind nun angehalten, sich fit zu halten. Dafür ist kein Theater vonnöten, wissen wir doch: Die ganze Welt ist eine Bühne. Das Skript können wir den Ausgangsbeschränkungen entnehmen, so etwa der Verordnung zur Änderung der Verordnung über erforderliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Berlin.

Corona: Änderungen bei Berliner Projektförderung

Ausfallhonorare, Zweckänderungen oder Verschiebungen sind möglich

Berlin, 31. März 2020. Die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa hat heute Verfahrensvereinfachungen bekannt gegeben, um die Folgen des COVID 19-Virus für diejenigen abzufedern, die Projektförderungen erhalten. Diese Ausnahmen sind für alle Zuwendungen möglich, deren Förderung bereits bewilligt wurde oder deren Antrag zum Stichtag 15. März 2020 bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa vorgelegen hat, heißt es. Unter anderem dürfen Ausfallhonorare in Höhe von 60 oder 67 Prozent gezahlt werden, düfen die Projekt-Zwecke nachträglich durch die Bewilligungsbehörde geändert werden oder können die Maßnahmen anders, zum Beispiel durch Streaming oder andere Form der Projektdurchführung, oder später durchgeführt werden.

Theater in der Corona-Krise – Ein Streifzug durch die stillgelegte deutschsprachige Theaterlandschaft

Raus aus dem nationalen Panik-Fokus!

27. März 2020. Die Theater sind seit dem 15. März 2020 geschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. nachtkritik.de wollte wissen, wie es den verschiedenen Theatertypen, den Häusern und Gruppen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft aktuell geht.

Freie Szene Hessen ermittelt Corona-Schaden

Es droht die Pleite

26. März 2020. Der Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen (laPROF) hat eine Umfrage (hier als PDF) zu den erwartenden Einkommensausfällen durch die Corona-Krise durchgeführt. "Wenn der Kulturbetrieb bis zum Sommer stillsteht, verlieren die in der Umfrage erfassten Kolleg*innen bis zu 3,8 Millionen Euro. Schon bei einer Schließung bis Ostern liegt der Gesamtverlust bei nahezu einer Million. Falls diese Ausfälle nicht bald erstattet werden, droht vielen Künstler*innen die Pleite und vielen Ensembles und Theatern das Aus", heißt es in einer Pressemitteilung des laPROF (hier im Wortlaut). Beteiligt hätten sich 247 Theater, Ensembles und Einzelkünstler*innen aus allen Regionen des Bundeslandes, die Ergebnisse seien "nahezu repräsentativ".

Theater in der Corona-Krise – INTHEGA-Präsidentin Dorothee Starke erläutert, warum die Einstellung des Spielbetriebs die kulturelle Infrastruktur im ländlichen Raum bedroht

"Es geht um Existenzen"

Dorothee Starke im Telefoninterview mit Esther Slevogt

26. März 2020. Die Interessensgemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen INTHEGA ist neben Bühnenverein und Verband der Freien Theater die dritte Säule der deutschen Theaterlandschaft. Sie vertritt 400 Mitgliedsstädte und erreicht mit etwa 600 Spielstätten ohne eigene Ensembles im gesamten deutschsprachigen Raum zwischen 12 und 15 Millionen Einwohnern. Dorothee Starke ist seit Mai 2019 Präsidentin der INTHEGA.

Corona-Shutdown – Neue Initiativen von Künstler*innen und Theatern

Von der Homepage zur Home-Stage

März 2020 bis 6. April 2020. Wird die Corona-Krise auch neue Ideen hervorbringen, nachdem die erste Panik abgeebbt ist, die Hamsterkäufe erledigt sind und die Langeweile im Home-Office groß genug geworden ist?  Wir versuchen eine Übersicht – die wir ab Anfang April in den Digitalen Spielplan einpflegen – und sind weiterhin dankbar für Ergänzung in den Kommentaren oder an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Großverstaltungen droht wegen Corona das Aus

Spielen, Plätze reduzieren oder doch absagen?

9. März 2020. Gesundheitsminister Jens Spahn rät dazu, alle Großveranstaltungen ab tausend Besuchern abzusagen. Auf seinem Twitter-Account heißt es wortwörtlich: "Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen." Betroffen von dieser Empfehlung wären auch Theater- und Opernhäuser mit mehr als 1000 Sitzen. Häuser mit diesem Fassungsvermögen müssten ihre Vorstellungen absagen beziehungsweise die Zuschauerzahlen reduzieren, wenn sie Spahns Empfehlung folgen wollen – wobei die Entscheidungshoheit darüber im Moment noch bei den lokalen Gesundheitsämtern liegt, zumindest solange der Bund dazu kein Notstandsgesetz erlassen hat.

Leipziger Buchmesse abgesagt wegen Corona

Komplett abgesagt

3. März 2020. Die Leipziger Buchmesse findet nicht statt. "Schweren Herzens und mit großem Bedauern" habe man heute entschieden, die Messe, die vom 12. bis 15. März geplant war, abzusagen, teilen die Veranstalter mit. Gleiches gilt für das parallel laufende Lesefest "Leipzig liest" und die Manga-Comic-Con. Die Entscheidung haben die Leipziger Messe und die Stadt Leipzig gemeinsam in enger Absprache getroffen.

Julia Wissert – Die designierte Dortmunder Schauspielintendantin im Interview

"Es fehlt der Gegenentwurf"

Julia Wissert im Interview mit Esther Slevogt

23. Mai 2019. Anfang Mai wurde bekannt, dass die Regisseurin und Theatermacherin Julia Wissert mit der Spielzeit 2020/21 Nachfolgerin von Dortmunds Schauspielintendanten Kay Voges werden soll. Heute Abend nun hat der Rat der Stadt Dortmund die vierunddreißigjährige gebürtige Freiburgerin offiziell zur Schauspielintendantin bestellt. Julia Wissert, die Theater- und Medienproduktion an der University of Surrey in London und Regie am Salzburger Mozarteum studierte, gehört aktuell auch zum Team der neuen Hannoveraner Schauspielintendantin Sonja Anders, die ihr die Leitung einer Veranstaltungsreihe in der Spielstätte Cumberlandsche Galerie übertrug. In Hannover wird Wissert in der kommenden Spielzeit auch inszenieren.

Interview mit Bianca Klose, Geschäftsführerin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, über ihre Broschüre "Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts"

Die problematische Mitte

Bianca Klose im Interview mit Matthias Dell

11. März 2019. Mitte Februar hat die Berliner Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) gemeinsam mit Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters (DT) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), eine Handreichung "Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts" vorgestellt. Die Broschüre entstand als Folge eines gestiegenen Beratungsbedarfs in den letzten beiden Jahren: Theater und andere Kulturinstitutionen sehen sich immer häufiger Angriffen von rechten Akteur*innen ausgesetzt. Vom inflationären Gebrauch parlamentarischer Anfragen durch die AfD bis zu Bombendrohungen reicht das Spektrum der Störaktionen. Die Broschüre erntete Lob für ihren Ratgeberteil, aber auch starke Kritik für ihre theoretischen Positionsbestimmungen und die Einschätzung, der "Kulturkampf von rechts" werde bereits in den Feuilletons der großen Zeitungen geführt. Die Bro­schü­re mache letztlich kei­nen Un­ter­schied "zwi­schen kon­ser­va­ti­ven, li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven, rechts­ex­tre­men, ras­sis­ti­schen, Gen­der­theo­rie-skep­ti­schen oder rechts­po­pu­lis­ti­schen Po­si­tio­nen", urteilte die Wochenzeitung "Die Zeit". Im theoretischen Teil der Broschüre wurde fälschlicherweise behauptet, Zeit-Autor Ul­rich Grei­ner ha­be die zu­wan­de­rungs­kri­ti­sche "Er­klä­rung 2018"un­ter­zeich­net. Der Fehler wurde umgehend korrigiert und bedauert. Im Interview mit Matthias Dell erklärt sich MBR-Geschäftsführerin Bianca Klose und spricht über ihre Sicht auf die Presse-Reaktionen.